
Die Fahrradgarage des Hotels war voll und hatte sich nach meiner Ankunft weiter gefüllt, aber ich spekulierte erfolgreich darauf, dass am langen Wochenende und dem 1. Mai die meisten eher nicht so früh los wollten. Nachdem ich mir für die Öffnung der Knopfzellenverpackung an der Rezeption eine Schere geliehen hatte, konnte ich meinen klagenden Sensor mit frischer Energie versorgen, dann fuhr ich um kurz nach acht Uhr los.

Auf der Bahnbrücke der Moselstrecke wechselte ich wieder auf die andere Seite des Flusses – allerdings windet sich der Radweg hier nicht nur durch ein Industriegebiet, sondern es gibt dazu noch eine baubedingte Umleitung, so dass es etwas dauerte, bis ich meinen Rhythmus fand. Meine erste Pinkelpause durfte ich bei der ASB-Ortsgruppe absolvieren, so dass ich in niemandes Garten pieseln musste.
Noch war es früh, die Spuren der Walpurgisnacht waren in Form von Klopapier und Bauschaum zu sehen, aber noch waren nicht so viele Menschen unterwegs. Der Radweg wird öfter mal als straßenbegleitender Radweg an einer großen Straße entlanggeführt, aber es gibt auch weiter Strecken, wo er am am Ufer oder anderweitig von der Straße abgesetzt läuft, oft mit Campingplätzen oder Grundstücken von Angel- oder Wassersportvereinen am Rand.

Irgendwann traf ich eine Bikepackerin aus Freiburg und nach zwei gegenseitigen Überholungen bei kurzen Stopps fuhren wir einfach gemeinsam weiter. Wir unterhielten uns und die Fahrt war so sehr entspannt, obwohl sich die Wege feiertagsbedingt langsam füllten. Auch eine gemeinsame Kuchenpause gönnten wir uns. Erst gegen Mittag, als es aufgrund der Menge der Gruppen auf den Wegen immer anstrengender wurde zu fahren und kaum möglich warm sich dabei auch noch zu unterhalten, trennten wir uns wieder auf, obwohl wir ein ähnliches Ziel für den Tag hatten.

Cochem, kurz vor meinem Ziel, war dann endgültig der Punkt, wo ich froh war, es nicht mehr weit zu haben. Die ständigen Ausweich- und Überholvorgänge hatten mich einige Körner gekostet und in Cochem musste ich dann durch große Menschenmengen bugsieren. Aber vier Kilometer weiter, in Klotten, hatte ich eine Unterkunft gefunden. Das ist nur noch ca 50 Kilometer vor Koblenz, so dass die Rückfahrt mit der Bahn am Samstag, dem ruhigen Tag des langen Wochenendes, gelingen sollte und mir trotzdem noch genügend Zeit bleibt, die Mosel bis zur Mündung zu fahren.
Die Abendroutine fand heute feiertagsbedingt ohne Einkauf statt, aber ich hoffe, am kommenden Morgen ein wenig Saft im Hotel zu bekommen.