Zwar ging es mir morgens etwas besser als am vorherigen Abend und ich konnte sogar ein kleines Frühstück zu mir nehmen, aber bereit zum Fahren fühlte ich mich nicht wirklich.
Nach dem Frühstück verlängerte ich meine Hotelbuchung um eine Nacht, dann machte ich einen kleinen Spaziergang. Nach einer Pause am Mittag suchte ich Nachmittags noch einen Supermarkt auf. Abends traute ich mich dann wieder, etwas zu essen.
Nach dem Frühstück im Hotel machte ich erst einmal einen Abstecher zum örtlichen Fahrradladen: Eines meiner Schaltröllchen eierte vor sich hin und so war sauberes Schalten nicht mehr möglich. Das Problem konnte rasch behoben werden und ich konnte den Tag starten.
Bei der improvisierten Ausfahrt aus Épinal tat ich mich etwas schwer, bis ich dann endlich den Kanalradweg gefunden und den Ort hinter mir gelassen hatte. Dann lief es gut. Die Sonne schien, die Temperatur kletterte rasch auf über 20°C und der Weg war, wie so oft an den französischen Kanälen, hervorragend.
Die flacher werdenden Ausläufer der Vogesen begleiteten mich, so wie die Mosel und eine Bahnstrecke. Die Landschaft war schön, vereinzelt kamen andere Personen auf dem Rad entgegen oder ich überholte welche, schon relativ viele Tourenradler mit Gepäck, aber auch einige auf dem Rennrad.
Kurz vor meinem Einfädelungspunkt auf die Strecke, die ich mit Micha vor einem Jahr gefahren bin bei Nancy, gilt es noch einen Hügel zu überwinden. Typisch für die Radwege an den Kanälen natürlich entlang einer Reihe von Schleusen, also mit dem Rad relativ problemlos zu fahren.
Da ich in Nancy 80km hinter mir hatte und es noch im Zeitfenster für Mittagessen lag, machte ich diesmal den Abstecher in die Innenstadt von Nancy – ein wirklich lohnenswerter Marktplatz, ähnlich der Placa Mayor in spanischen Städten. Ich aß zu Mittag, suchte eine Apotheke auf, weil ich einen feinen Splitter im Handballen hatte und fuhr dann durch den Park wieder zurück zum Kanal und zur Mosel.
Da es bisher gut gelaufen war, hatte ich eigentlich auf dem Plan, noch bis Metz oder kurz vor Metz zu fahren, allerdings fühlte ich mich nach und nach etwas matt, so dass ich in Pont-à-Mousson beschloss, mir eine Unterkunft zu suchen.
Nach dem Duschen und dem Gang zum Supermarkt wurde mir zunehmend etwas flau und Verdauungsprobleme offenbarten den Grund für meinen matten Zustand. Abends ging es nicht mehr zu essen raus, ich blieb einfach liegen.
Das Frühstück kam aufs Zimmer, ein typisch französisches: Baguette mit Butter, ein Croissant mit Marmelade, ein Schokocroissant, eine Kiwi und ein Becherchen Apfelmuß, dazu ein Tee und Orangensaft. Für den Geschmack in meiner Getränkeblase hatte ich mir etwas Saft gewünscht, es kam eine Packung Apfelsaft – toll, wenn einem Gastgeber so helfen, wenn es im Ort einfach mal keinen (offenen) Supermarkt gibt.
Nach dem Losfahren ging es sofort in die Auffahrt zum Grand Ballon, zu deutsch dem Großen Belchen – dem höchsten Berg der Vogesen. Der Anstieg auf der Route des Crétes teilt sich in zwei einzelne Anstiege – der erste ist mit 10km Länge und einer durchschnittlichen Steigung von 6% auf dem Papier moderat, aber in der Realität durch kleine Zwischenabfahrten und flachere Stellen dann doch fordernd. Von dort geht es zum Cal Amic, dann noch einmal ein Stück runter – wobei sich der Blick auf den nächsten Abschnitt und den Grand Ballon eröffnet. Zwischendurch gibt es aber immer wieder tolle Blicke ins Tal oder auf die Vogesen.
Am Montag Vormittag Ende April ist auch wenig Verkehr, so dass die Auffahrt Spaß macht. Die restliche Steigung bis zum Grand Ballon ist mit 6km etwas kürzer, aber mit 8% Schnitt etwas steiler – dafür aber ist die Steigung gleichmäßiger, fast ohne steile Rampen.
Oben gönnte ich mir – neben dem wunderbaren Ausblick – eine Orangina und einen Cookie, es gab noch eine Unterhaltung mit zwei Berliner Motorradfahrern. Anschließend geht es auf dem Kamm noch etwas weiter, eine kleine Abfahrt, aber auch noch ein paar mal moderat hoch. Danach folgt eine rasante Abfahrt über die D430 und D486 nach Cornimont, von wo es dann erstmal auf einem Bahnradweg weitergeht bis Remiremont.
Auf eine relativ ruhigen Straße, die aber laut Beschilderung irgendwo gesperrt sein sollte (und vermutlich auch deswegen sehr ruhig war) fuhr ich weiter – die Sperrung stellte sich zum Glück als mit dem Rad passierbare Baustelle heraus (ich hatte zwischenzeitlich einen entgegenkommenden Radfahrer gefragt).
In Archette schlug mein Reifendrucksensor an. Zuerst brauchte ich aber etwas zu essen. Neben einem Schaden am Mantel, mit dem ich aber weiterfahren kann, hatte sich der Patch vom letzten Flicken gelöst – diesmal applizierte ich klassisches Flickzeug, denn einen neuen Schlauch hatte ich noch immer nicht bekommen.
Ich beschloss dann, in Épinal zu bleiben, zum einen musste ich dringend Essen, zum anderen bietet der Ort die Möglichkeit, am Dienstag im Fahrradladen nochmals zu versuchen, einen Ersatzschlauch zu bekommen.
Ein Hotel steuerte ich direkt an und checkte ein, als ich ermittelt hatte, dass das rad über Nacht sicher stehen kann. Nach dem Duschen und Umziehen machte ich noch die Einkäufe für den kommenden Tag und ging essen, dann war es Zeit zum Schlafen.
Der Vormittag war nochmals für die SPEZI eingeplant. Ich packte, tauschte mit Micha, der an diesem Tag mit der Bahn in Richtung Berlin fuhr, noch einige Sachen, dann checkten wir aus und ließen Rad und Gepäck noch bis zur Abreise im Hotel. Gemeinsam zogen wir zum Bäcker um die Ecke, frühstückten und liefen in Richtung SPEZI, wo sich dann Yvonne bereits verabschiedete und auf den Weg nach Hause machte.
Auf der SPEZI selbst standen noch ein kleines Mastodon-Meetup, Feedback an Radical nach dem Packen meiner neuen Tasche und natürlich noch eine kleine Verabschiedung von Gary und dem Laidback Bike Report Team an, sowie ein Treffen mit Gerald von Hofrad. Damit war der Vormittag dann auch bestens verplant und statt wie geplant um 12, kam ich erst um 13 Uhr los. Da aber nur etwas mehr als 70 flache Kilometer auf dem Plan standen, war das nicht wirklich dramatisch.
Ich nutzte die gute Freiburger Fahrradinfrastruktur, um den Ort zu verlassen und bei über 20°C und praller Sonne fuhr ich dann südwestlich aus der Stadt. Zwischen Weinbergen und Feldern, aber auch durch Orte, hatte ich ein leichtes Gefälle und kam gut voran, auch der Wind war mir hold.
Bei Fessenheim überquerte ich den Rhein und kreuzte im Ort die Strecke, die ich schon häufig und Nord-Süd-Richtung (bzw. umgekehrt) gefahren bin. Auf Landstraßen mit mäßigem Verkehr kam ich bis Ensisheim, von dort nutze ich einen Bahntrassenradweg und weitere autofreie Infrastruktur bis Cernay. Zum Ende hin wurde ich etwas langsamer, denn hier ging es leicht bergan. Von Cernay nach Uffholtz war es dann nicht mehr weit, aber das Garmin zeigte bereits den für den kommenden Tag geplanten Anstieg an.
Zum Essen lief ich später noch nach Cernay zurück, denn in Uffholtz hatte am Sonntag alles geschlossen. Die Auswahl war auch dort eingeschränkt (Pizza, Döner, Burger – ich entschied mich für letzteres), aber besser als nichts.
Der heutige Tag hielt nur noch etwa 100 Kilometer für uns bereits, weil wir am Vortag mit 172 Kilometern so viel Strecke vorgelegt hatten, dass wir es gemütlich angehen konnten. Wir frühstückten also in „zivil“ und zigen uns erst danach um und packten die Taschen.
Vom Hotel zum Kanal ging es auf kurzem Wege über die hervorragende Fahrradinfrastruktur von Strasbourg. Dann folgten gut 55 Kilometer Fahrt am Rhein-Rhone-Kanal. Zuerst zwischen den großen Ausfallstraßen von Freiburg, weiter südlich wurde es ruhiger. Viele Radfahrer waren unterwegs: Auf dem Rennrad zur Trainingsrunde, zur Ausfahrt mit dem Hund und auch Reisende mit kleinen und großen Taschen.
Neben einigen Abschnitten, auf denen der Belag erneuert wurde, fiel auf, dass an vielen Schleusen gebaut wird. Es ist geplant, den derzeit gesperrten Teil in wenigen Jahren für touristische Zwecke wiederzueröffnen, ein schönes Projekt, wie ich finde.
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Das erste der beiden Cafés an der Strecke kurz vor Marckolsheim war nicht geöffnet, aber das zweite bei Artzenheim kurz vor dem Ende der Kanalstrecke war geöffnet. Wir kehrten ein und hatten ein sehr leckeres Mittagessen und vor allem bei der Wärme und Sonne sehr viel zu trinken.
Nach dem Ende des Kanalradweges fuhren wir ein kleines Stück ruhiger Landstraße, dann noch ein wenig auf einem dedizierten Radweg und noch einmal kurz Landstraße, bevor wir zur Rheinbrücke in Richtung Deutschland gelangten. Die Radwege auch auf deutscher Seite waren größtenteils besser als erwartet und so kamen wir am Nachmittag an unserem Ziel Freiburg an.
Nach dem Check-In im Hotel mit Duschen und Umziehen machten wir noch einen Spaziergang in Richtung Messe und zu einem kleinen Abendessen. Mit einem Umweg über den Supermarkt ging es kurz nach Sonnenuntergang ins Hotel.