Tag 5: Erfurt – Hilders

Nicht allzu spät gingen wir – in voller Fahrradmontur – zum Frühstück, denn uns stand eine anstrengende Etappe mit mindestens 120 Kilometern und gut 1300 Höhenmetern bevor.

Wir wählten den kurzen Weg aus Erfurt über Straßen statt durch den Park, aber das war völlig problemlos, auf den Straßen war nur mäßiger Verkehr. Auf den ersten Kilometern fuhren wir auf Radwegen und Straßen parallel zur Apfelstädt, von Georgenthal bis Tambach-Dietharz auf dem ersten Bahnradweg des heutigen Tages. Bis hierhin ging es mäßig bergauf. Zwischendurch checkte ich meinen Reifendruck auf dem Hinterreifen und drehte das Ventil nach bevor ich aufpumpte.

Ab Tambach-Dietharz folgte bis zum Rennsteig der erste Aufstieg auf rund 700m. Waren es im Tal noch fast 5°C, so wurde es bis oben immer kälter, es ging auf gut 1,5°C herunter, vor allem fuhren wir aber in die tiefhängenden Wolken. Zwar war auf dem Pass auch die Wetterscheide erreicht und wir hatten eine Abfahrt bei klarer Sicht und blauem Himmel mit Wölkchen bis Floh-Seligental, dennoch ist die Kälte bei Fahrtwind jenseits der 65 km/h nicht zu unterschätzen, so dass wir unten erst einmal beim Bäcker einkehrten.

Auf der Weiterfahrt auf dem zweiten Bahnradweg fiel abermals niedriger Reifendruck auf. War dieser eine Weile stabil geblieben, sank er jetzt rapide und und ich entfernte den Reifendrucksensor, den ich in Verdachte hatte, nachdem am Reifen nur wenig auffälliges zu finden war. Als auch das nichts half, entschied ich mich, einige Kilometer später den Schlauch zu wechseln – und stellte fest, dass ich den falschen Satz Schläuche für die dickeren Reifen, die ich im Winter fahre, eingesteckt hatte. So flickten wir den Schlauch mit einem Patch, danach war alles gut. In den kommenden Tagen muss ich aber dringend Ersatzschläuche in der korrekten Größe auftreiben.

Der zweite große Anstieg des Tages folgte dann. Dieser brachte zwar viel weniger Höhenmeter mit sich, aber dafür einige knackige Steigungen bis zu 15%. Oben angekommen musste ich kurz auf Micha warten, der am Berg etwas langsamer ist als ich – das reichte beim kalten Wind aber schon aus, dass es unangenehm wurde.

Nach der (kühlen) Abfahrt erreichten wir den kurzen dritten Bahnradweg des Tages und stellten fest, dass langsam die Energiereserve aufgezehrt war. Durch die vielen Technikpausen war es auch schon recht spät, so dass wir beim Erreichen des Milseburgradweges (Bahnradweg Nummer 4!) beschlossen, das nächstbeste Hotel zu nehmen. Dieses fanden wir in Hilders. Nach dem Check-In folgte Duschen und Umziehen, dann der obligatorische Gang zum Supermarkt und schließlich gab es noch Pizza im Restaurant.

Tag 4: Ruhetag Erfurt

Wie am gestrigen Abend beschlossen, war heute Ruhetag angesagt. Morgens ging es gemächlich zum Frühstück, anschließend machten wir einen kleinen Rundgang in der Stadt. Da wir beide Erfurt bereits kennen, war es mehr ein Einkaufsbummel. Getränke für den nächsten Tag, ein paar Schuhe, ein vergessenes Kabel.

Am Nachmittag hatten wir im Hotel die Sauna reserviert, die dementsprechend bereizt angeheizt war, als wir uns dort für entspannende eineinhalb Stunden einfanden.

Mehr als abends noch zum Essen zu spazieren war dann auch nicht mehr auf dem Plan, so dass wir hoffentlich fit für den kommenden Tag waren. Der angekündigte Regen traf erst am späten Nachmittag ein, jedoch wehte ein eiskalter Wind, der uns heute entgegengekommen wäre auf einer der anstrengendsten Etappen der Tour – die wir nun auf morgen geschoben hatten.

Tag 3: Braunsbedra – Karsdorf (- Erfurt)

Das Wetter vor dem Fenster sah netter aus, als es nach Regenradar war. So ließen wir uns Zeit mit dem Frühstück und beschlossen, einen großen Teil des Regengebietes, vor allem den mit Sturmböen und stärkerem Regen, durchziehen zu lassen, bevor wir uns aufs Rad setzten. Gerade bei Temperaturen um nur noch etwas mehr als 10°C ist es nicht so angenehm, mit feuchten Klamotten unterwegs zu sein. Und wie wir alle wissen, halten Regenklamotten nicht trocken, sondern sorgen nur dafür, was man in warmem Salzwasser und nicht in kaltem Süßwasser schwimmt.

Um kurz nach 12 Uhr ging es dann endlich los, wir fuhren, obwohl noch nicht alles durchgezogen war, bei leichtem Tröpfel zunächst zum Geiseltalsee hinab, dann bis Mücheln – und blieben dort erst einmal in einem Tunnel stehen. Der Regen prasselte und Temperaturen von 6°C zusammen mit nassen Klamotten sind einfach nicht angenehm. Dennoch machten wir uns irgendwann wieder auf den weiteren Weg.

Bis zu Schnellfahrstrecke Halle-Erfurt ging es erst einmal etwas aufwärts, kaum waren wir oben peitschte uns starker Wind von schräg vor entgegen – und es wurde immer kälter. Durch Kalzendorf und Steigra ging es dann in die Abfahrt nach Karsdorf. Diese mussten wir aufgrund der Nässe vorsichtig runterrollen.

Im Ort schauten wir für die weitere Planung nach einem überdachten Platz, aber nicht einmal eine Bushaltestelle war verfügbar. Der weitere Weg war versperrt, denn auf der geplanten Straße fehlte wegen Bauarbeiten die Brücke über die Unstrut. Wir entschieden uns für den Abbruch, mit der Zeit und der Geschwindigkeit wären wir durchgefroren erst am Abend in Erfurt gewesen. Also lieber die Abkürzung mit der Bahn.

Am Bahnhof angekommen kam zufällig in just diesem Augenblick der Zug nach Naumburg (Saale), der Triebfahrzeugführer schaute mitleidig und öffnete bereitwillig ohne unser Zutun die Tür zum Fahrradabteil. In Naumburg ging es dann eine Viertelstunde später mit der nächsten Regionalbahn nach Erfurt. Auf dem Weg reservierten wir noch ein Hotel, das wir in wenigen Minuten vom Bahnhof erreichen konnten. Der Regen hatte mittlerweile nachgelassen.

Bis unser kurzfristig reserviertes Zimmer fertig war gingen wir noch essen, mittlerweile kam sogar die Sonne raus, aber es blieb windig und kalt. Der Abend ging mehr an Sachen trocknen und warm werden drauf, als dass wir andere große Pläne gehabt hätten.

Tag 2: Lutherstadt Wittenberg – Braunsbedra

Während der Morgen kühl und noch bedeckt durch die Fenster lugte, machten wir uns fahrfertig und gingen dann zum Frühstück. Dieses war abwechslungsreich und bot eine gute Grundlage für den Tag, der heute etwas länger werden sollte als gestern.

Nach dem Start fuhren wir zunächst über die Elbe, dann folgten wir grob der Bahnstrecke, auf der in dichtem Takt die ICEs pendeln, dazwischen gibt es auch Regionalverkehr, so dass es immer etwas zu sehen gibt. Die Wege sind meist gut, manchmal wird man aber auch über Kopfsteinpflaster geführt, gerade innerhalb von Orten.

Schon nach kurzer Fahrt treffen wir in Bergwitz auf den Bergwitzsee und damit den ersten, von einigen Tagebauseen auf unserer heutigen Etappe. An diesem fahren wir aber nur vorbei, bis Radis entlang der Bahn, dann geht es auf straßenbegleitenden Radwegen und kleinen Straßen weiter.

Bei Mühlbeck kommt mit dem Großen Goitzschesee der größte See in Sicht, einst durch ein Hochwasser schneller geflutet, als geplant – so erzählen es uns andere, die auf unsere Räder aufpassen, während wir einen schwimmenenden Turm erklimmen, von dem es einen tollen Überblick über den riesigen See und die umgebende Landschaft gibt.

Es gibt an den Seen auch alte Maschinen aus den Tagebauzeiten zu sehen, eine Lok, Grubenwagen und später am Werbeliner See auch noch Teile eines großen Schaufelbaggers, so dass es immer wieder Gelegenheiten für interessante kleine Pausen gibt. Mittlerweile scheint die Sonne und wir haben deutlich über 20°C.

Einen kleinen Snack hatten wir uns am Ortsausgang von Delitzsch in der Bäckerei eines Supermarktes gegönnt, sonst bot der Ort irgendwie nichts (und in den anderen war es oft nicht viel besser).

Vor Schkeuditz kamen wir am Flughafen Halle/Leipzig vorbei mit seinen riesigen Logistikterminals, auf dem begleitenden Radweg einer Bundesstraße. Hinter Schkeuditz änderte sich die Umgebung, denn wir fuhr bis kurz vor Merseburg auf dem Elster-Radweg auf dem Deich des namensgebenden Flusses.

Hinter Merseburg war es dann nicht mehr weit bis zum Geiseltalsee, unserem heutigen Ziel, nahe des Sees hatten wir eine Unterkunft ins Braunsbedra gefunden. Duschen, umziehen, einkaufen, Abendessen war wieder die abendliche Routine.

Für die kommenden zwei Tage ist deutlich kühleres und nasseres Wetter angesagt, so dass wir entscheiden müssen, wie weit und schwer die nächsten Abschnitte werden.

Tag 1: Berlin – Lutherstadt Wittenberg

Für den Anfang hatten Micha und ich uns geeinigt, dass wir eher kurze Etappen machen, da wir beide noch nicht viel gefahren waren in diesem Jahr. Da wir bereits am Freitag losfahren konnten, hatten wir genug Puffer – und für den Fall schlechter Strecken oder blöden Wetters auch beide offen die Option ins Auge gefasst, zwischendurch mit der Bahn abzukürzen.

Die erste Etappe sollte uns nach Lutherstadt Wittenberg führen, etwa 100km. Das Wetter war uns hold, es war vorwiegend sonnig bei knapp 20°C. Um 10 Uhr trafen wir uns in Steglitz am Teltowkanal. Entgegen sonstiger Gewohnheit, die Strecke über Wannsee und Potsdam aus der Stadt zu wählen, fuhren wir diesmal über Güterfelde und Beelitz. Schon kurz nach dem Start mussten wir an der immer noch existenten Baustelle am Teltowkanal eine Umleitung durch den Stadtverkehr fahren, danach lief es aber glatt weiter.

Der Verkehr war mässig, große Teile der Strecke ohnehin auf meist straßenbegleitenden Radwegen, viele davon erst in den letzten Jahren angelegt oder erneuert, so dass sie eine gute Qualität hatten.

In Beelitz machten wir eine kleine Bäckerpause mit einem Stück Kuchen (und ohne Spargel), dann ging es auf uns unbekannten Strecken weiter. Bis Treuenbrietzen gab es noch einen Radweg neben der B2, dem wir folgten, dann ging es über kleine Straßen und Fahrradstraßen via Marzahna, Wergzahna und Zahna. Von dort mussten wir eine Land- bzw. Kreisstraße ohne Radweg nehmen, da die offizielle Radwegeführung über nicht asphaltierte Strecken verläuft. Bei mäßigem Verkehr war aber auch dies weitgehend problemfrei.

In Wittenberg angekommen checkten wir im Hotel, direkt am Markt, ein. Wir duschten, zogen uns frische Klamotten an und machten einen kurzen Abstecher zum Supermarkt, um Geschmack für die Getränke am folgenden Tag zu besorgen. Anschließend gingen wir essen und machten noch einen Spaziergang zur Kirche mit den 95 Thesen und zur Elbe. Auf dem Rückweg aß ich noch einen Nachtisch, Micha genehmigte sich noch einen herzhaften Nachschlag.

Da wir beide müde waren, endete der Abend eher früh.