On the road again

Nachdem ich mit meinen Touren dieses Jahr ja eher Pech hatte, werde ich jetzt hoffentlich mit meiner September-Tour erfolgreicher sein. Allerdings war auch bei dieser Tour der Start nicht planmäßig. Eigentlich sollte es am Samstag losgehen, doch ein privater Fall von Notfalllogistik bescherte mir am Samstag zwar 800km, allerdings in der Bahn.

R1 bei Potsdam
R1 bei Potsdam

Den Sonntag ließ ich gemütlich beginnen, der Tourstart war erst gegen halb elf. Auf meiner üblichen Südwest-Ausfallstrecke kenne ich mich ja hinreichend aus, so hatte ich zwar nichts vorgebucht, allerdings Dessau als passendes Ziel im Sinn. Da ich ja mit einer samstäglichen Abfahrt gerechnet hatte, hatte ich meine Route etwas länger, aber ruhiger über den R1 via Potsdam geplant. Auch sonntags ist das vermutlich die ruhigere und schönere Strecke aus der Stadt und ihrer Umgebung.

Ich merkte die Defizite bei der Sonnencremenutzung nicht und so lief es auch bei über 30°C und praller Sonne ziemlich gut. Ein Hungergefühl setzte erwartungsgemäß einige Kilometer vor Bad Belzig ein. Vermutlich wäre die bessere Entscheidung gewesen, 10km weiter nach Wiesenburg zu fahren, so landete ich mit im Bad Belziger Altstadtfest.

Elbe bei Dessau
Elbe bei Dessau

Essenstechnisch führte das eher zu einem Imbiss und Teile der Bevölkerung, die mir beim letzten Besuch schon aufgefallen waren zeigten sich auch diesmal wieder in (für einen Berliner) auffälliger Anzahl. Zum Glück bin ich nicht offensichtlich deren Hasszielgruppe, aber unangenehm sind sie mir dennoch.

Hatte ich bis hierher eine Schnitt nahe 29km/h gefahren, sank dieser in der Nachmittagshitze doch etwas. Meine Überlegung, die erste Etappe bis Halle zu verlängern verwarf ich, trotz der frühen Ankunft in Dessau, wo ich gegen 16 Uhr das Eiscafé an der Elbe erreichte. Ich suchte mir eine Unterkunft in der Nähe, auch nah beim Track und ruhte etwas aus, bevor ich in die Stadt lief, um ein Abendessen in passender Größe zu ergattern. Ein Schnitt von knapp 27km/h stand schliesslich bei über 130km immernoch auf dem Tacho.

Sonne, Schienen und schnelle Züge

Nach dem Aufstehen besorgte ich im nahegelegenen Supermarkt zunächst etwas Saft, um Geschmack in meine Getränke zu bringen, erst dann ging es zum Frühstück. Um kurz vor neun ging es zurück auf den Track.

Leere Landstraße hinter Dessau
Leere Landstraße hinter Dessau

Den ersten Teil der Strecke von Dessau bis Halle kannte ich ja hinreichend, ich spulte ihn einfach runter. Über ruhige Landstraßen geht es südwestlich aus Dessau raus, dann weiter durch Quellendorf und Hinsdorf, schließlich von Norden über eine Radweg nach Halle hinein. Einige Straßen später führt mich der Weg an die Saalepromenade. Im Normalfall steuere ich das Schiffsrestaurant Marie-Hedwig an. Dann ist es Sonntag, das Restaurant öffnet um 11 Uhr und ich komme später an. Heute aber ist Montag, das Restaurant öffnet um 12 Uhr und ich bin schon um 10:45 Uhr da. Ich brauche eine Alternative und finde sie ein Stück weiter im Peißnitzhaus-Café. Dort bekomme ich zumindest schon Kuchen und zwei große Rhabarberschorlen.

Von hier biete ich auf den mir unbekannten Teil der Strecke ab, ab jetzt kommen neue Eindrücke. Als erstes ein Stück der alten Hafenbahn, jetzt als Radweg genutzt. Die Ausfahrt aus Halle ist, wie auch auf meinem Standardweg in Richtung Südwest, hakelig. Schlechte Straßen, katastrophale Radwege (oft Benutzungspflichtig) – und zuguterletzt erwische ich, vermutlich aber durch einen Planungsfehler meinerseits, noch Kopfsteinpflaster. Irgendwann biege ich aber von der Landstraße auf einen Wirtschaftsweg ab und finde schließlich den Serviceweg der Schnellfahrstrecke (Bahn) Halle-Erfurt.

Entlang der Schnellfahrstrecke der Bahn
Entlang der Schnellfahrstrecke der Bahn

Wegen der hügeligen Landschaft und der vielen Tunnels und Brücken muss ich den Weg aber bald wieder verlassen und komme dann immer wieder nach diversen Kilometern auf glücklicherweise guten und ruhigen Straßen zur Bahnstrecke zurück. Es ist ein ewiges Auf und Ab, Schatten gibt es nur unter Brücken, wo ich dann oft eine kurze Pause einlege, denn es sind 33°C und die Sonne brennt. Führt mich der Weg auf der Straße durch die Dörfer, so fällt auf, das es keine (geöffneten, falls überhaupt) Gasthäuser gibt, mit etwas Glück finde ich eine Tanke. So kann ich etwas trinken und meine Flüssigkeitsvorräte auffüllen, außer Schokoriegeln gibt es aber nichts Essbares. Aber eine Abkühlung durch die Klimaanlage.

Was folgt, ist ein langer Anstieg in sengender Sonne. Dann eine kurze Abfahrt und wieder geht es rauf bis ich irgendwann die Schnellfahrstrecke wieder an meiner Seite habe. Keine Autos, aber auch kein Schatten (außer unter Brücken), dafür rauschen nebenan die Züge mit irgendwas zwischen 250 und 300 km/h vorbei, ein toller Anblick. Wann hat man schonmal einen ICE in voller Fahrt im Rückspiegel?

Gamme Furt
Gamme Furt

Kurz vor Erfurt erwartet mich noch die Gramme Furt. Vielleicht zweieinhalb Meter breit, ca. 20-30 Zentimeter tief. Da ich sie noch nicht kenne, halte ich ersteinmal an und schaue, wo ich am besten durchfahren kann. Dann rauf auf’s Rad und durch, geht ganz einfach. Mit dem Liegerad kriegt man nicht mal nasse Füße. Und die Felgen sind wieder blank und frei vom Staub der Fahrt.

In Erfurt habe ich ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs, von hier ist es nicht weit zu Fuß in die Innenstadt, wo ich mir einen netten Italiener suche, um meine Energiebilanz zumindest in Teilen wieder auszugleichen.

Ewiges Auf und Ab

Leichter Dunst hing noch über Erfurt, als ich startete. Es dauerte etwas, bis sich das Garmin einkriegte bei der Berechnung der Route, während ich schonmal nach Gefühl losgefahren war, aber schließlich fand ich meinen Weg und mein Navi sind Contenance.

Allee in Thüringen
Allee in Thüringen

Wie so häufig ist die Ausfahrt aus Städten mit großen Straßen und Verkehr verbunden, aber an den Stellen, wo es keinen begleitenden Radweg gab, waren die Autofahrer ungewohnt fair. Das ist gerade bei den vielen Steigungen, wo man langsam voran kommt sehr wichtig. Und Steigungen gab es, bis Ilmenau waren es gerade 40km und ich hatte schon 500 Höhenmeter auf der Uhr.

Hinter Ilmenau ging es dann aber richtig zur Sache, eine lange Steigung mit mehr als 10% erwartete mich. Und in der Abfahrt auf einer engen kurvigen Straße ein Autofahrer, der es wohl eilig hatte und der hinter mir drängelte. Bis er versuchte, die erste Kurve in der gleichen Geschwindigkeit wie ich zu nehmen. Ich hörte quietschende Reifen, fliegenden Kies. Haarscharf ging es gut. Und ich verlor den Kandidaten aus dem Rückspiegel, da seine Eile offenbar schlagartig nachgelassen hatte.

Wetter voraus
Wetter voraus

Auf ruhigen Straßen fuhr ich weiter, auf dem Rennsteig Radwanderweg, der sich auf den Bergen hielt und dann runter nach Hildburghausen. Hier beschloss ich, eine Mittagspause einzulegen, bevor es auf die letzten Kilometer nach Haßfurt ging, wo ich mir eine Bleibe gesucht hatte.

Zwischendurch hörte ich hinter mir dumpfes Grollen, Gewitter bildeten sich um mich herum. Eines lag dann genau vor mir und ich näherte mich langsam. Weniger die Regentropfen, mehr die Häufigkeit an Blitzen und zunehmend kürzere Zeiten zwischen Blitz und Donner veranlassten mich, Schutz zu suchen. Eine Trauerhalle bot ihn mir. Draußen zog das Gewitter langsam durch. Drinnen bemerkte ich, dass etwas aus meiner Hecktasche tropfte. Ich hatte die Getränkeblase falsch gepackt und die Traubenschorle hatte sich in meine Tasche ergossen und die ungeschützten Dinge verklebt. Ein Problem für später.

Irgendwann ließen Blitze und Regen nach und ich fuhr weiter, die Straßen waren zunächst noch feucht, aber sie trockneten schnell. Gegen 18:30 Uhr erreichte ich dann das Hotel. Erste Aktion: Sachen waschen.

Es wird (etwas) flacher

Mein erster Track führte bis nach Rothenburg ob der Tauber, nur knapp 100km. Die Ankunftszeit setzte das Navi schnell auf sehr optimistisch berechnete 13 Uhr fest. Klar, denn die Ausfahrt aus Haßfurt über den Main war zunächst auch relativ flach. Bald aber setzten die Hügel und das ständige Auf und Ab wieder ein, das so auf die Kondition geht, weil man keinen Rhythmus findet.

Straße mit Radweg
Straße mit Radweg

Große Pausen gönnte ich mir indes kaum, lediglich einen Stopp am Drogeriemarkt um eine Mini-Ressource aufzufüllen. Der Zähler stieg und stieg und pendelte sich auf 14 Uhr ein, was dann auch realistisch war. Ich fuhr in Rothenburg ob der Tauber dann unter Jubel und Geknipse einer chinesischen Reisegruppe ein. Und suchte nach einem Restaurant, das einen Platz im Schatten bei gleichzeitigem Blick auf’s Rad (möglichst auch im Schatten) bieten könnte – gar nicht so einfach, am Ende fand ich aber nahe der Stadtmauer einen Italiener.

Vom Spanier, der sich mit dem Wirt auf Spanisch verständigte über den Amerikaner, der beim Wirt Entsetzen auslöste, als er nach Tabasco zur Lasagne fragte war alles für eine herrliche Kulturstudie vorhanden. Allein mir fehlt auf Radreisen der Sinn für derlei Touristentrubel. Und so verließ ich den Ort nach zwei großen Kirschschorlen, einer Pizza, einer großen Spezi, einem großen Eiskaffee und einer Johannisbeerschorle für unterwegs ohne größere Besichtigung.

Endlose Landstraße unter blauem Himmel
Einfach fahren

Das Taubertal war noch sehr hügelig, aber zunehmend wurde die Landschaft flacher und ich folgte oft Radrouten auf ruhigen Wirtschaftswegen oder expliziten Radwegen. Ich wollte eigentlich nur 20-30 Kilometer noch fahren, aber es lief am Ende so gut, das noch gut 60km folgten. Einen Zwischenstopp gönnte ich mir an einem Freibad. Echtes Dorfleben, Eintritt war über den Förderverein geregelt, die Fahrräder vor der Tür standen einfach rum, die Autofenster waren offen. Als Stadtmensch für mich nah am Unvorstellbaren.

Ich folgte dem Tauber-Jagst-Radweg, der in den Jagst-Kocher-Radweg überging und hatte richtig Spaß, aber irgendwann entschied ich mich doch für die Hotelsuche. Zum einen war ich nicht sicher, wie lange man noch spontan ein Zimmer finden würde, zum anderen musste ich ja noch zu Abend essen, waschen und mich frisch machen. In Ellwangen kam ich nach 155km und mehr als 1600 Höhenmetern unter.

Ein kurzer Tag

Am Morgen kaufte ich schnell noch etwas Saft ein, um meine Getränke etwas isotonischer zu gestalten – und für den Geschmack. Im Hotel wurde mir eine Luftpumpe zur Kontrolle der Reifen angeboten, was ich auch gern tat, zumindest vorn. Meinen 9,5 Bar Hinterreifen konnte die Pumpe nicht bedienen.

Im Ebersburger Tal
Im Ebersburger Tal

Auf dem Jagst-Kocher-Radweg fuhr ich dann eher flach weiter. Das Wetter war heute angenehm kühler als in den letzten Tagen, der Himmel war zeitweise bedeckt, was meiner Haut etwas Gelegenheit zur Entspannung bot. Und so vergingen die ersten 25km der heutigen kurzen Etappe von nur etwa 100km wie im Flug, auch wenn ich mich nach den Anstrengungen der letzten Tage etwas schwer tat, auf Tempo zu kommen.

Überraschend war für mich die Landschaft an der Brenz im Eselsburger Tal, das mit einigen steinigen Felsformationen aufwartete. Und in Eselsburg auch mit einem ordentlichen Anstieg. Das Lontal war landschaftlich nochmals anders. Von hier ging es dann nach kurzem Anstieg hinab ins Donautal bei Günzburg.

Ulmer Münster (innen)
Ulmer Münster

Die ganze Zeit fuhr ich entlang einer Regenfront, blieb aber trocken. Bei der Abfahrt zur Donau sah ich vor mir dir Regenfelder und stellte mich darauf ein, heute noch nass zu werden. Doch der Regen zog sich zurück und ich blieb verschont.

Bis Neu-Ulm fuhr ich auf der Straße oder dem begleitenden Radweg, da der Donauradweg hier leider nich durchgehend asphaltiert ist. Dort angekommen kam ich privat unter. Da es erst gegen 14 Uhr war blieb mir noch Zeit, mit meinem Gastgeber Ulm zu besuchen und neben Sightseeing den deutschen Teil meiner Rückfahrt sicherzustellen.

Nach einem netten Abendessen und guten Gesprächen fiel ich dann müde ins Bett.

Einmal Allgäu, bitte

Jochen und Ramona bereiteten mir ein wunderbares Frühstück und es war schwer, sich irgendwann loszureissen. Doch irgendwann musste es ja losgehen, ich hatte ja noch etwas vor.

Blick auf Donau und Ulm
Blick auf Donau und Ulm

Jochen begleitete mich auf dem Rad noch runter bis zur Donau, ab dort konnte ich wieder meinem Track folgen. Ein kurzes Stück fuhr ich also entlang der hier (ohne Hochwasser) eher schmächtigen als mächtigen Donau, bei Donaustetten bog ich nach Süden ab. Zunächst war es noch relativ flach und ließ sich locker fahren, aber je weiter ins Allgäu ich vordrang, desto höher würden die Hügel, bis auf über 700 Meter ging es hinauf.

Aber da es zwischendurch immer wieder Gefälle gab, sammelte ich Höhenmeter am laufenden Band, bewegte mich aber letztlich nur zwischen 600 und 700 Meter über NN. Das allerdings schlaucht ziemlich. Der Himmel war blau und die Sonne schien, auf angenehme 25°C bis 27°C stiegen die Temperaturen, beim erklimmen der teils mit mehr als 10% recht ordentlichen Steigungen ist das aber ziemlich warm.

Radrouten im Allgäu sind oben für den Ausblick
Radrouten im Allgäu sind oben für den Ausblick

Auffällig ist die hohe Zahl von E-Bike Touristen, meist älteren Semesters. Vermutlich stünde dieser Gruppe ohne die elektrische Unterstützung die Erkundung des Allgäu per Rad nicht offen. Allerdings waren bis auf ein paar Rennradler auch viele jüngere elektrisch unterstützt unterwegs.

Als erstaunlich problematisch erwies sich die Essensversorung. Quasi jede Dorfgaststätte hatte entweder Betriebsferien oder öffnete erst ab 17 Uhr. Bestenfalls in Wangen hätte ich wohl eine Chance gehabt, da führte mich meine Route dann aber am Zentrum vorbei und ich hatte für mich beschlossen, dass es bei der zu erwartenden Abfahrt zum Bodensee und den wenigen Restkilometern kaum Sinn machte, dort abzubiegen. Also fuhr ich weiter.

Ich hatte erwartet, irgendwann aus der Höhe noch einen Blick über den See erhaschen zu können, doch dem war nicht so. Nach der Abfahrt kam ich in Lindau erst zu einer Baustelle, dann irgendwann nach Österreich und hatte dort die erste Chance auf einen Seeblick.

Als ich ein kleines Stück weiter in Bregenz endlich einkehrte, sah ich auf Twitter die Message eines velomobilen Followers, der in Bregenz wohnt und ein Treffen anbot, so nahm ich einheimischen Rat zur Wahl einer passenden Lokation an und wir fachsimpelten ein wenig über das Reisen mit Liegerad oder Velomobil.

Selfie am See
Selfie am See

Darüber verging die Zeit und anstatt noch wild Kilometer zu machen, suchten wir gemeinsam eine Unterkunft in der Nähe, genauer in Dornbirn. Christian zeigte mir mit seinem df vorausfahrend den Weg und ich hechelte hinterher. Aber ganz klar geht nichts über Ortskenntnis, so kam ich fix beim Hotel an und hatte zwischendurch noch einen Supermarkt aufsuchen können.

Im Hotel war dann nur noch Waschtag für mich und die Klamotten angesagt. Und natürlich den Bericht für’s Blog zu schreiben.

Drei Länder, keine Grenzen

Am Wochenende gab es im Hotel erst ab 07:30 Uhr Frühstück. Da ich früher wach war, hatte ich noch Gelegenheit, kurz eine Route zurück zu meinem Track auszuarbeiten und auf’s Navi zu übertragen, dann ging es Frühstück einwerfen.

Radstrecke am Rhein
Radstrecke am Rhein

Eine kurze Fahrt auf einer belebten Straße mit Randstreifen, dann konnte ich schon abbiegen auf kleinere Wirtschaftswege und nach kurzem auf den Radweg am hier kanalisieren Rhein. Die Strecke ist dann zwar wenig spektakulär in Bezug auf touristische Merkmale, aber man kann gut und sicher durchfahren, selbst die Querungen grosser Straßen läuft problemlos, in der Regel sind diese untertunnelt.

Nahezu unbemerkt, nur ein paar Fahnen am Weg deuteten es an, verließ ich Österreich und fuhr durch Liechtenstein, auch wenn von Vaduz nicht sonderlich viel zu sehen war. Da Liechtenstein sehr klein ist, fand ich mich auch bald in der Schweiz wieder, so recht habe ich den Grenzübertritt allerdings nicht gemerkt.

Noch diverse Kilometer am Rhein mit ziemlich genau 1m Steigung auf 1km und dann bog der Weg ab. Und selbst im Tal kann es hier dann zu den Seiten ganz schön hoch gehen.

Stausee bei Splügen
Stausee bei Splügen

Bis Chur verlief der Weg dann teils auf Straßen, teils auf nicht immer asphaltierten Radwegen. Kurz vor Chur traf ich auf eine Dreiergruppe mit Rennrädern, von denen ich mich eigentlich nur um eine Baustelle Herumlotsen lassen wollte – doch die Pläne änderten sich, denn essen und trinken schien allen eine gute Idee.

Nach dem Mittag fuhr ich wieder allein weiter, zunächst am Rhein und relativ flach, aber schon bald ging es mit teils heftigen Steigungen in etwas höhere Lagen, vom Haupttal bog ich durch enge Schluchten in die Nebentäler ein. Damit begann der Aufstieg zum San Bernardino. Und der hatte es in sich. Ich wollte aber schon so nah wie möglich an den Pass heranfahren, um am folgenden Tag, der laut Wetterdienst nachmittags Regen bringen könnte, möglichst früh in die Abfahrt gehen zu können.

Die Strecke bot mit den Schluchten und Bergblicken tolle Momente, der motorisierte Verkehr störte allerdings immer wieder stark.

Über den Berg

Frühstück gab es erst ab acht Uhr, ich könnte mir nach dem Aufwachen also Zeit lassen. Meine Morgenroutine ist so gestaltet, dass ich einige Dinge in der Regel erst nach dem Frühstück erledige und auch dann erst endgültig packe, so kann ich noch in „ziviler“ Kleidung zum Frühstück, die Getränke sind noch kalt, wenn ich starte und die Sonnencreme frisch. Meist, wie auch an diesem Tag, habe ich es auch nicht wirklich eilig.

Ruhige Straße und Bergpanorama
Ruhige Straße und Bergpanorama

Nachdem also alles erledigt war, packte ich die Tasche auf’s Rad, hielt noch einen kurzen Smalltalk mit einem Hotelgast, der die Pässe per Motorroller bezwang und fuhr dann los. Schon bald führte mich meine Route zunächst bis Hinterrhein abseits der Straße auf einem Wirtschaftsweg und nur wenige, harmlose Steigungen sorgten dafür, dass ich mich etwas warm fahren konnte, bevor bei Hinterrhein auf die Passtrasse einbog und mich den letzten 500 Höhenmetern bis zum Pass San Bernardino auf einer serpentinenreichen Straße hingab.

Da die Autobahn in einer Röhre durch den Berg geführt ist, hält sich der Verkehr auf der alten Straße in Grenzen, nur die Motorradfahrer sowie ein paar Sportwagen und der ein oder andere Camper kamen vorbei – oder entgegen. Gerade in den Spitzkehren ist das immer ein besonderer Spaß.

Poserfoto auf dem San Bernardino
Poserfoto auf dem San Bernardino

Ich hatte mit ca. zwei Stunden bis zum Pass gerechnet, da die Straße aber recht gleichmäßig und nicht übertrieben steil ansteigt, ging die Fahrt am Ende schneller als gedacht. Oben gönnte ich mir etwas zu trinken und ein Stuck Kuchen und natürlich den Blick über den See bei schönstem Wetter. Da in den benachbarten Tälern aber bereits Regen aufzog und sich die Wolkenberge hinter den Gipfeln türmten, machte ich mich bald auf in die 75km Abfahrt (die natürlich nicht die ganze Zeit nur bergab geht, aber 1800 Höhenmeter verliert man am Ende schon).

Ich hielt mich auf der 13 bis Bellinzona, ein kurzer Abstecher auf die ausgewiesene Radrouten brachte keine Vorteile und wurde dann eh von einer Erdrutsch-Sperrung beendet. Anfangs sind natürlich wiede viele Spitzkehren dabei und man muss aufpassen, konzentriert zu bleiben über die lange Strecke. Später werden Kurven und Gefälle harmloser.

Lago Maggiore und Locarno aus der Seilbahn
Lago Maggiore und Locarno aus der Seilbahn

Ab Bellinzona gibt es dann bis Locarno einen ruhigen und gut ausgewiesenen Radweg, mit dem ich direkt auf der Promenade am Lago Maggiore landete. Ich ear am frühen Nachmittag dort, machte mich im Hotel frisch und genoss den Rest des Tages mit Sightseeing, Seilbahn und einem Abtecher per Bus nach Ascona.

Drei Seen und ein weiteres Land

Nach dem – für meine Radreisen eher großen – Sightseeingprogramm am vorigen Abend, den ich auch mit lokalem Wein und einem eher italienischen Drink begangen hatte, ließ ich mir heute etwas mehr Zeit am Morgen. Ich kam erst gegen zehn Uhr los.

Auffahrt zum Ceneri
Auffahrt zum Ceneri

Auf dem bekannten Radweg fuhr ich bis kurz vor Bellinzona, dann bog ich auf den Ceneri in Richtung Lugano ab. Damit stand ein kleiner Aufstieg von gut 400 Metern auf einer befahrenen Straße – immerhin über weite Teile mit Radstreifen – auf dem Programm. Nach rund 40km war ich dann vom Lago Maggiore am Lago di Lugano angekommen. Dort pausierte ich nur kurz, dann fuhr ich am Ufer des Sees entlang, bis bald schon die italienische Grenze kam, wie üblich ohne Kontrollen.

Direkt nach der Grenze wies ein Schild auf Bauarbeiten und die gesperrte Uferstraße hin. Das Problem: die Alternative ist die Kraftfahrstraße durch einen mehr als 3km langen Tunnel. Zum Glück kam ein Radfahrer entgegen, den ich fragen konnte:

Baustelle ... Augen zu und durch
Baustelle … Augen zu und durch

die Baustelle sei kurz, man könne das Rad drüber tragen. Also setzte ich meinen Weg fort. Die offizielle Version von drüber tragen wäre über viele Stufen oben über einen Fels gewesen. Ich entschied mich für die pragmatische Lösung und hob mein Rad einfach nur über die Baustellenbegrenzungen, da gerade nicht gebaut wurde.

Vom Luganer See führte mich die Strecke weiter zum Come See. Die Straße war relativ befahren, Italiener überholen traditionell eng und ohne Rücksicht auf den Gegenverkehr. Nicht schön, aber machbar. So kam ich in Menaggio an, von wo ich die Fähre nach Varenna nahm. Während der Wartezeit trank ich etwas, nach einer halben Stunde kam die Fähre.

Auf der anderen Seite fuhr ich auf der mäßig befahrenen, aber engen und kurvigen Uferstraße bis Colico und spürte, dass nach gut 80km Zeit für etwas zu essen war. So kehrte ich ein, aber da ich zu spät dran war, musste ich mich mit einem Panino begnügen. Und einem Eis. Als es einen leichten Schauer gab, bekam ich Gesellschaft von Timm, der gerade von Freiburg aus die Alpen bezwungen hatte. Wir unterhielten uns, bis der Regen vorbei war, dann fuhren wir in unterschiedliche Richtungen davon.

Radweg an der Adda
Radweg an der Adda

Ich wollte noch bis Sondrio (Sünders) kommen, über weite Strecken auf einem tollen Radweg. Der erste Teil aus Colico heraus war allerdings noch nicht so toll und irgendwo bog ich falsch ab und mein Ansatz ohne umzudrehen in die richtige Richtung zu fahren war für Umgebungen wie Tal mit Fluss nur bedingt geeignet – er führte mich zwischenzeitlich auf einen schottrigen Singletrail. Aber wenn mir MTB Entgegenkommen, dann komme ich da ja auch durch. Kostete eben nur etwas Zeit und Kilometer.

In Sondrio suchte ich mir eine Unterkunft und machte außer einem Rundgang mit Essen keine größeren Besichtigungen mehr.

Zwei Pässe

Wohl wegen zuviel Espresso am Abend hatte ich nachts nicht gut geschlafen, dennoch wachte ich pünktlich kurz vor dem Frühstück im Hotel auf. Und war nervös, denn ich hatte mir als persönliches Ziel gesetzt, an diesem Tag zwei Pässe zu fahren, den Passo di Aprica und den Passo del Tonale.

Radwegbrücke an der Adda
Radwegbrücke an der Adda

Ich kam dann doch erst wieder gegen 9 Uhr los, zuerst hatte ich auch einige Kilometer zum Warmfahren. Es ging an der Adda auf einem gut ausgebauten Radweg nur sanft aufwärts. Der Radweg bot alle paar Kilometer Rastplätze, in der Regel mit mehreren Tischen und Bänken, meist Trinkwasser, oft sogar Grillplätze oder ähnliche Annehmlichkeiten. Das Ganze in grünen und ruhigen Lagen. Mülleimer zur Entsorgung waren da, alles war sauber und an jedem Platz ein Schild, das auf die Entfernung und Ausstattung des nächsten Platzes hinwies. So kann das also gehen.

Ich brauchte auf den ersten 20km allerdings keine Rast und bog dann auf eine reguläre Straße ab, der Aprica Pass bescherte mir einige Höhenmeter und tat sich zunächst mal als Wand auf. Den Versuch einer Abkürzung mit 13%-16% Steigung gab ich auf und folgte der regulären Straße mit etwa 5%-7% Steigung und mäßigem Verkehr.

Passstraße nach Aprica
Passstraße nach Aprica

Hinter Aprica gab es eine kleine Abfahrt, wo ich zum Glück nicht sämtliche Höhe einbüßte. In Edolo war dann ein Radweg zum Passo Tonale ausgeschildert. Der Weg war bis auf kleine Ausnahmen gut ausgebaut, allerdings stieg er schnell am Talhang auf und verlief weit oberhalb der regulären Straße. Und Wege am Hang zeichnen sich eben auch oft durch große Steigungen und vor allem keine gleichmäßigen Anstiege aus. So ging es mal mit 18% Steigung aufwärts, dann ging es wieder ein paar Meter abwärts.

Ohne Rhythmus, mit ständigen Wechseln, ist das sicher ein gutes Training – an einem anstrengenden Tag haut das aber ziemlich rein. Eine Chance auf die – auch ziemlich verehrsreiche – Straße zu wechseln bot sich wegen dazwischenliegender Hindernisse auch nicht. Also folgte ich dem Radweg weiter. Erst 12km vor Ponte Legno wurde der Weg flacher und besser fahrbar.

Bergpanorama bei der Auffahrt zum Tonale
Bergpanorama bei der Auffahrt zum Tonale

In Ponte Legno machte ich einen Zwischenhalt für Getränke und Kuchen. Und fuhr dann weiter auf der Straße, die hier auch nur noch wenig befahren war. Mit gleichmäßiger Steigung könnte ich so die letzten 500 Höhenmeter hinter mich bringen.

Der Ort Passo del Tonale war voll auf den Wintersport ausgerichtet und bot ansonsten kaum etwas. Immerhin gab es einen Supermarkt – und da mich der Rest der heutigen Etappe nur noch abwärts führen sollte, kaufte ich Saft für den folgenden Tag ein. Ich streifte mir noch die Windstopper-Softshell Jacke über, denn eine Abfahrt mit verschwitzten Klamotten bei 15°C kann sonst schnell kalt werden.

Bei der Abfahrt mit bis zu 75 km/h hörte ich plötzlich ein kurzes metallisches pling, konnte aber keine Probleme feststellen und hatte auch keine gute Möglichkeit zum Halten. Auch bei einem Halt erwiesen sich alle sicherheitskritischen Teile am Rad als augenscheinlich in Odnung.

Auf dem Passo del Tonale
Auf dem Passo del Tonale

Ich blieb in einem Ort kurz stehen und buchte ein Hotel, noch einen Ort weiter. Auffallend war auf schlechten Straßenabschnitten ein Quietschen. Erst als ich am Hotel das Gepäck entfernte, erkannte ich den Grund: das hintere Schutzblech war mittig entzwei gebrochen und gab bei Unebenheiten das Quietschen von sich, wenn beide Teile aneinander rieben.

Beim Einchecken konnte ich in Erfahrung bringen, dass es im Ort einen Fahrradladen gibt. So bleibt die Hoffnung auf entweder ein neues Schutzblech oder Abbau und Sicherung der noch funktionalen Teile.

Im Hotel gab es abends ein großes Menü für einen akzeptablen Preis, so ersparte ich mir das Suchen eines Restaurants im Ort.