Tag 1: Berlin – Lutherstadt Wittenberg

Für den Anfang hatten Micha und ich uns geeinigt, dass wir eher kurze Etappen machen, da wir beide noch nicht viel gefahren waren in diesem Jahr. Da wir bereits am Freitag losfahren konnten, hatten wir genug Puffer – und für den Fall schlechter Strecken oder blöden Wetters auch beide offen die Option ins Auge gefasst, zwischendurch mit der Bahn abzukürzen.

Die erste Etappe sollte uns nach Lutherstadt Wittenberg führen, etwa 100km. Das Wetter war uns hold, es war vorwiegend sonnig bei knapp 20°C. Um 10 Uhr trafen wir uns in Steglitz am Teltowkanal. Entgegen sonstiger Gewohnheit, die Strecke über Wannsee und Potsdam aus der Stadt zu wählen, fuhren wir diesmal über Güterfelde und Beelitz. Schon kurz nach dem Start mussten wir an der immer noch existenten Baustelle am Teltowkanal eine Umleitung durch den Stadtverkehr fahren, danach lief es aber glatt weiter.

Der Verkehr war mässig, große Teile der Strecke ohnehin auf meist straßenbegleitenden Radwegen, viele davon erst in den letzten Jahren angelegt oder erneuert, so dass sie eine gute Qualität hatten.

In Beelitz machten wir eine kleine Bäckerpause mit einem Stück Kuchen (und ohne Spargel), dann ging es auf uns unbekannten Strecken weiter. Bis Treuenbrietzen gab es noch einen Radweg neben der B2, dem wir folgten, dann ging es über kleine Straßen und Fahrradstraßen via Marzahna, Wergzahna und Zahna. Von dort mussten wir eine Land- bzw. Kreisstraße ohne Radweg nehmen, da die offizielle Radwegeführung über nicht asphaltierte Strecken verläuft. Bei mäßigem Verkehr war aber auch dies weitgehend problemfrei.

In Wittenberg angekommen checkten wir im Hotel, direkt am Markt, ein. Wir duschten, zogen uns frische Klamotten an und machten einen kurzen Abstecher zum Supermarkt, um Geschmack für die Getränke am folgenden Tag zu besorgen. Anschließend gingen wir essen und machten noch einen Spaziergang zur Kirche mit den 95 Thesen und zur Elbe. Auf dem Rückweg aß ich noch einen Nachtisch, Micha genehmigte sich noch einen herzhaften Nachschlag.

Da wir beide müde waren, endete der Abend eher früh.

Tag 2: Lutherstadt Wittenberg – Braunsbedra

Während der Morgen kühl und noch bedeckt durch die Fenster lugte, machten wir uns fahrfertig und gingen dann zum Frühstück. Dieses war abwechslungsreich und bot eine gute Grundlage für den Tag, der heute etwas länger werden sollte als gestern.

Nach dem Start fuhren wir zunächst über die Elbe, dann folgten wir grob der Bahnstrecke, auf der in dichtem Takt die ICEs pendeln, dazwischen gibt es auch Regionalverkehr, so dass es immer etwas zu sehen gibt. Die Wege sind meist gut, manchmal wird man aber auch über Kopfsteinpflaster geführt, gerade innerhalb von Orten.

Schon nach kurzer Fahrt treffen wir in Bergwitz auf den Bergwitzsee und damit den ersten, von einigen Tagebauseen auf unserer heutigen Etappe. An diesem fahren wir aber nur vorbei, bis Radis entlang der Bahn, dann geht es auf straßenbegleitenden Radwegen und kleinen Straßen weiter.

Bei Mühlbeck kommt mit dem Großen Goitzschesee der größte See in Sicht, einst durch ein Hochwasser schneller geflutet, als geplant – so erzählen es uns andere, die auf unsere Räder aufpassen, während wir einen schwimmenenden Turm erklimmen, von dem es einen tollen Überblick über den riesigen See und die umgebende Landschaft gibt.

Es gibt an den Seen auch alte Maschinen aus den Tagebauzeiten zu sehen, eine Lok, Grubenwagen und später am Werbeliner See auch noch Teile eines großen Schaufelbaggers, so dass es immer wieder Gelegenheiten für interessante kleine Pausen gibt. Mittlerweile scheint die Sonne und wir haben deutlich über 20°C.

Einen kleinen Snack hatten wir uns am Ortsausgang von Delitzsch in der Bäckerei eines Supermarktes gegönnt, sonst bot der Ort irgendwie nichts (und in den anderen war es oft nicht viel besser).

Vor Schkeuditz kamen wir am Flughafen Halle/Leipzig vorbei mit seinen riesigen Logistikterminals, auf dem begleitenden Radweg einer Bundesstraße. Hinter Schkeuditz änderte sich die Umgebung, denn wir fuhr bis kurz vor Merseburg auf dem Elster-Radweg auf dem Deich des namensgebenden Flusses.

Hinter Merseburg war es dann nicht mehr weit bis zum Geiseltalsee, unserem heutigen Ziel, nahe des Sees hatten wir eine Unterkunft ins Braunsbedra gefunden. Duschen, umziehen, einkaufen, Abendessen war wieder die abendliche Routine.

Für die kommenden zwei Tage ist deutlich kühleres und nasseres Wetter angesagt, so dass wir entscheiden müssen, wie weit und schwer die nächsten Abschnitte werden.

Tag 3: Braunsbedra – Karsdorf (- Erfurt)

Das Wetter vor dem Fenster sah netter aus, als es nach Regenradar war. So ließen wir uns Zeit mit dem Frühstück und beschlossen, einen großen Teil des Regengebietes, vor allem den mit Sturmböen und stärkerem Regen, durchziehen zu lassen, bevor wir uns aufs Rad setzten. Gerade bei Temperaturen um nur noch etwas mehr als 10°C ist es nicht so angenehm, mit feuchten Klamotten unterwegs zu sein. Und wie wir alle wissen, halten Regenklamotten nicht trocken, sondern sorgen nur dafür, was man in warmem Salzwasser und nicht in kaltem Süßwasser schwimmt.

Um kurz nach 12 Uhr ging es dann endlich los, wir fuhren, obwohl noch nicht alles durchgezogen war, bei leichtem Tröpfel zunächst zum Geiseltalsee hinab, dann bis Mücheln – und blieben dort erst einmal in einem Tunnel stehen. Der Regen prasselte und Temperaturen von 6°C zusammen mit nassen Klamotten sind einfach nicht angenehm. Dennoch machten wir uns irgendwann wieder auf den weiteren Weg.

Bis zu Schnellfahrstrecke Halle-Erfurt ging es erst einmal etwas aufwärts, kaum waren wir oben peitschte uns starker Wind von schräg vor entgegen – und es wurde immer kälter. Durch Kalzendorf und Steigra ging es dann in die Abfahrt nach Karsdorf. Diese mussten wir aufgrund der Nässe vorsichtig runterrollen.

Im Ort schauten wir für die weitere Planung nach einem überdachten Platz, aber nicht einmal eine Bushaltestelle war verfügbar. Der weitere Weg war versperrt, denn auf der geplanten Straße fehlte wegen Bauarbeiten die Brücke über die Unstrut. Wir entschieden uns für den Abbruch, mit der Zeit und der Geschwindigkeit wären wir durchgefroren erst am Abend in Erfurt gewesen. Also lieber die Abkürzung mit der Bahn.

Am Bahnhof angekommen kam zufällig in just diesem Augenblick der Zug nach Naumburg (Saale), der Triebfahrzeugführer schaute mitleidig und öffnete bereitwillig ohne unser Zutun die Tür zum Fahrradabteil. In Naumburg ging es dann eine Viertelstunde später mit der nächsten Regionalbahn nach Erfurt. Auf dem Weg reservierten wir noch ein Hotel, das wir in wenigen Minuten vom Bahnhof erreichen konnten. Der Regen hatte mittlerweile nachgelassen.

Bis unser kurzfristig reserviertes Zimmer fertig war gingen wir noch essen, mittlerweile kam sogar die Sonne raus, aber es blieb windig und kalt. Der Abend ging mehr an Sachen trocknen und warm werden drauf, als dass wir andere große Pläne gehabt hätten.

Tag 4: Ruhetag Erfurt

Wie am gestrigen Abend beschlossen, war heute Ruhetag angesagt. Morgens ging es gemächlich zum Frühstück, anschließend machten wir einen kleinen Rundgang in der Stadt. Da wir beide Erfurt bereits kennen, war es mehr ein Einkaufsbummel. Getränke für den nächsten Tag, ein paar Schuhe, ein vergessenes Kabel.

Am Nachmittag hatten wir im Hotel die Sauna reserviert, die dementsprechend bereizt angeheizt war, als wir uns dort für entspannende eineinhalb Stunden einfanden.

Mehr als abends noch zum Essen zu spazieren war dann auch nicht mehr auf dem Plan, so dass wir hoffentlich fit für den kommenden Tag waren. Der angekündigte Regen traf erst am späten Nachmittag ein, jedoch wehte ein eiskalter Wind, der uns heute entgegengekommen wäre auf einer der anstrengendsten Etappen der Tour – die wir nun auf morgen geschoben hatten.

Tag 6: Hilders – Hanau (- Mannheim)

Im Hotel gab es kein Buffet, aber dennoch ein reichhaltiges Frühstück. Ein kurzer Abstecher zum Radladen nach dem Checkout bestätigte nur, dass wir mit seltenen Schlauch- und Reifengrößen unterwegs sind, verschaffte aber nicht die Möglichkeit, mir die korrekten Ersatzschläuche in die Tasche zu stecken.

Direkt hinter dem Radladen beginnt auch schon der Milseburgradweg. Das Wetter ist wolkenlos,wenn auch anfangs noch kühl, aber nicht wirklich kalt. Nach einem kurzen Einradeln mit leichtem Gefälle geht es dann mit einer moderaten Bahnradweg-Steigung zum Scheitelpunkt der Strecke nahe des namensgebenden Ortes Milseburg. Das Highlight des Weges ist der mehr als ein Kilometer lange Tunnel, ab dem es dann auch bergab geht.

Neben dem anstrengungsfreien Fahren hat bergab noch einen Vorteil, jedenfalls nach dem Verlassen des Tunnels: es gibt immer wieder beeindruckende Blicke über die Landschaft. Wir genießen die Abfahrt bis an den Stadtrand von Fulda. Der Weg durch die Stadt hat sich auch gefühlt seit meinem letzten Versuch 2021 verbessert, es gibt noch ein paar kleine Verwirrungen, aber prinzipiell kamen wir gut rein und auch wieder hinaus.

Auf dem Weg ins Kinzigtal gilt es noch ein paar kleine Hügel zu überwinden, ab und zu geht es über (meist ruhige) Straßen oder straßenbegleitende Radwege, aber am meisten über einen dedizierten Radweg, auch wenn dieser einige Kurven und Wendungen mit sich bringt.

Zwischen Flieden und Schlüchtern, bei Gomfritz, müssen wir eine Baustelle umfahren (das hatte ich bereits eingeplant), dabei gab es noch zwei knackige Steigungen zu überwinden, die normalerweise nicht dabei gewesen wären, dafür gibt es einen tollen Blick über die Landschaft und eine rasante Abfahrt.

In Schlüchtern essen wir zur Mittag und dopen mit etwas Espresso, dann geht es weiter, häufig auch an der ICE-Trasse entlang, die ich so oft schon gefahren bin. Endlich sehe ich die Wege mal aus der anderen Perspektive! Steinau an der Straße ist ein niedlicher Ort auf dem Weg, bevor es zur Kinzigtalsperre geht, der vielleicht aufälligste Ort beim Blick aus dem Zug.

Von dort bis Hanau geht es flach, oft mit fast unmerkbarem Gefälle über die Felder, entlang der Bahn und der Autobahn. Wir treffen noch zwei Rennradler und haben nach dem Mittag sogar genug Energie für einen kleinen sportlichen Wettkampf.

Kinzigtalsperre

Da wir durch die zwei Tage mit kaltem, regnerischen Wetter einige Zeit verloren haben, beschließen wir ab Hanau via Frankfurt bis Mannheim mit der Bahn abzukürzen. Die Strecke kennen wir in Teilen und sie ist der vielleicht am wenigsten aufregende Part.

Abends ins Mannheim kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten für den folgenden Tag und den Abend ein, dann heißt es (Aus-)schlafen.

Tag 7: Mannheim – Strasbourg

Da wir wegen der Fahrräder und des Frühstücks etwas nervös waren, startete der Tag um kurz vor sieben mit dem Wecker. Wir gingen runter und klärten die Situation, dann frühstückten wir auch gleich. So kamen wir denn auch zeitig los.

Von Mannheim mussten wir zunächst nach über den Rhein nach Ludwigshafen, dann irgendwie aus der Stadt herauskommen. Beiden Städten gemein ist eine katastrophal schlechte Fahrradinfrastruktur, so dass dieser Teil recht stressig war. Zwar ging es teils auch auf ruhigen Wegen, straßenbegleitende gemeinsame Rad- und Fußwege von weniger als 2m Breite aber bei der Fahrt aus der Stadt ließen den Streßlevel auch dann nur langsam sinken, so etwas wirkt nach.

Auch die Fahrt durch Speyer war nur bedingt schön, als Highlight ging es immerhin am Technik-Museum vorbei, wo es diverse Loks und Flugzeuge auch von außen zu sehen gab.

Bis Germersheim war es dann meist angenehm zu fahren. In Germersheim statteten wir der Stadthalle als altem Standort der SPEZI einen kurzen Besuch ab, bevor wir in der Altstadt ein Eis aßen und noch die örtlichen Fahrradläden besuchten.

Ab Germersheim schließlich führt die Strecke am Rhein entland, die Fahrt durch Wörth und Maximiliansau ist ok’ish und hinter Neuburg ist man plötzlich in Frankreich. Ab hier wird es dann richtig angenehm zu fahren. Die Wege sind ausgebaut und selbst, wenn es mal über Straßen und durch Dörfer geht, gibt es meist Radwege oder Radspuren – oder zumindest wenige und verständnisvolle Autofahrer, die einem nicht das Leben schwer machen.

Bis Gambsheim führt die Strecke meist hinter dem Deich entlang, vom Rhein slebst sieht man wenig, aber man kommt gut voran. Wegen Bauarbeiten an einer Brücke muss man über Gambsheim Kilstett und La Wantzenau fahren, dort geht es dann auch schon in die Piste des Forts entlang alter Befestigungsanlagen der Maginot-Linie und damit in den Endspurt nach Strasbourg.

In Strasbourg umfuhren wir den Innenstadtbereich auf dem Radweg, der außen herum führt und bogen erst am Beginn des Kanals in Richtung Bahnhof ab, wo sich unser Hotel befand.

Abends gab es noch Flammkuchen und einen Spaziergang in der Altstadt.

Tag 10: SPEZI / Freiburg – Uffholtz

Der Vormittag war nochmals für die SPEZI eingeplant. Ich packte, tauschte mit Micha, der an diesem Tag mit der Bahn in Richtung Berlin fuhr, noch einige Sachen, dann checkten wir aus und ließen Rad und Gepäck noch bis zur Abreise im Hotel. Gemeinsam zogen wir zum Bäcker um die Ecke, frühstückten und liefen in Richtung SPEZI, wo sich dann Yvonne bereits verabschiedete und auf den Weg nach Hause machte.

Auf der SPEZI selbst standen noch ein kleines Mastodon-Meetup, Feedback an Radical nach dem Packen meiner neuen Tasche und natürlich noch eine kleine Verabschiedung von Gary und dem Laidback Bike Report Team an, sowie ein Treffen mit Gerald von Hofrad. Damit war der Vormittag dann auch bestens verplant und statt wie geplant um 12, kam ich erst um 13 Uhr los. Da aber nur etwas mehr als 70 flache Kilometer auf dem Plan standen, war das nicht wirklich dramatisch.

Ich nutzte die gute Freiburger Fahrradinfrastruktur, um den Ort zu verlassen und bei über 20°C und praller Sonne fuhr ich dann südwestlich aus der Stadt. Zwischen Weinbergen und Feldern, aber auch durch Orte, hatte ich ein leichtes Gefälle und kam gut voran, auch der Wind war mir hold.

Bei Fessenheim überquerte ich den Rhein und kreuzte im Ort die Strecke, die ich schon häufig und Nord-Süd-Richtung (bzw. umgekehrt) gefahren bin. Auf Landstraßen mit mäßigem Verkehr kam ich bis Ensisheim, von dort nutze ich einen Bahntrassenradweg und weitere autofreie Infrastruktur bis Cernay. Zum Ende hin wurde ich etwas langsamer, denn hier ging es leicht bergan. Von Cernay nach Uffholtz war es dann nicht mehr weit, aber das Garmin zeigte bereits den für den kommenden Tag geplanten Anstieg an.

Zum Essen lief ich später noch nach Cernay zurück, denn in Uffholtz hatte am Sonntag alles geschlossen. Die Auswahl war auch dort eingeschränkt (Pizza, Döner, Burger – ich entschied mich für letzteres), aber besser als nichts.

Tag 13: Pont-à-Mousson (Ruhetag)

Zwar ging es mir morgens etwas besser als am vorherigen Abend und ich konnte sogar ein kleines Frühstück zu mir nehmen, aber bereit zum Fahren fühlte ich mich nicht wirklich.

Nach dem Frühstück verlängerte ich meine Hotelbuchung um eine Nacht, dann machte ich einen kleinen Spaziergang. Nach einer Pause am Mittag suchte ich Nachmittags noch einen Supermarkt auf. Abends traute ich mich dann wieder, etwas zu essen.

Tag 14: Pont-à-Mousson – Trier

Nach dem Aufstehen fühlte ich mich relativ frisch und erholt, also packte ich meine Tasche und zog mich reisefertig an, bevor es zum Frühstück ging. Dort achtete ich auf meine Proteine und die Kohlenhydrate und natürlich auch auf jede Menge Flüssigkeit.

Vom Hotel musste ich nur kurz über die Brücke auf die andere Moselseite fahren, dann war ich auch gleich auf dem Radweg am Ufer der kanalisierten Mosel, die sich kurz nach nach dem Ort vom natürlichen Flusslauf trennt. So war der Weg bis Metz schnell, aber auch relativ ereignislos. Es ist schön zu fahren, aber vielerorts nicht sonderlich beeindruckend auf dem Weg zwischen Kanal und Mosel. Dafür gibt es Schatten – ein nicht zu unterschätzender Vorteil an diesen durchweg sonnigen Tagen.

Die Strecke durch Metz ist abgesehen von einer kleinen Baustellenumleitung gut zu fahren, man bekommt von der Stadt nicht viel mit, wenn man nicht explizit abbiegt. Hinaus geht es noch durch ein kleines Industriegebiet. Auf dem Weg traf ich kurz vor Thionville vier deutsche Bikepacker, die die Mosel gemeinsam von der Quelle zur Mündung befuhren. Nach einem kurzen Gespräch fuhr ich weiter nach Thionville, wo ich im Fahrradladen (vergeblich…) versuchte einen Ersatzschlauch zu bekommen.

Als ich gerade aus dem Laden kam, traf ich die vier wieder und schloss mich einer kleinen Essenspause an. Anschließend fuhren wir gemeinsam am Atomkraftwerk Cattenom vorbei bis Contz-les-Bains, wo ich die Flusseite wechselte, um durch Apach und Perl zu fahren, während die anderen die (schnellere) Departements-Straße nach Schengen bevorzugten – wo wir uns am Schengen-Denkmal dann trotzdem noch einmal kurz trafen.

Von dort fuhr ich allein weiter, vorwiegend auf der deutschen Seite in Richtung Trier. Erst in Konz wechselte ich noch einmal die Seite des Flusses, da ich in Trier zu Velopoint wollte wegen des Schlauches – diesmal erfolgreich! Der Laden führt auch Liegeräder, ich unterhielt mich noch eine Weile nett mit einem der Verkäufer, der auch auf der SPEZI gewesen war.

In Trier setzte ich mich kurz auf ein Getränk in ein Café in der Innenstadt und suchte mir eine Unterkunft, nahe am Radweg für einen guten Start am folgenden Tag. Nach dem Check-In und dem obligatorischen Duschen und Umziehen lief ich in die Innenstadt, besorgte Batterien für einen meiner Sensoren, Saft für den nächsten Tag und ging noch essen.

Tag 15: Trier – Klotten

Die Fahrradgarage des Hotels war voll und hatte sich nach meiner Ankunft weiter gefüllt, aber ich spekulierte erfolgreich darauf, dass am langen Wochenende und dem 1. Mai die meisten eher nicht so früh los wollten. Nachdem ich mir für die Öffnung der Knopfzellenverpackung an der Rezeption eine Schere geliehen hatte, konnte ich meinen klagenden Sensor mit frischer Energie versorgen, dann fuhr ich um kurz nach acht Uhr los.

Auf der Bahnbrücke der Moselstrecke wechselte ich wieder auf die andere Seite des Flusses – allerdings windet sich der Radweg hier nicht nur durch ein Industriegebiet, sondern es gibt dazu noch eine baubedingte Umleitung, so dass es etwas dauerte, bis ich meinen Rhythmus fand. Meine erste Pinkelpause durfte ich bei der ASB-Ortsgruppe absolvieren, so dass ich in niemandes Garten pieseln musste.

Noch war es früh, die Spuren der Walpurgisnacht waren in Form von Klopapier und Bauschaum zu sehen, aber noch waren nicht so viele Menschen unterwegs. Der Radweg wird öfter mal als straßenbegleitender Radweg an einer großen Straße entlanggeführt, aber es gibt auch weiter Strecken, wo er am am Ufer oder anderweitig von der Straße abgesetzt läuft, oft mit Campingplätzen oder Grundstücken von Angel- oder Wassersportvereinen am Rand.

Irgendwann traf ich eine Bikepackerin aus Freiburg und nach zwei gegenseitigen Überholungen bei kurzen Stopps fuhren wir einfach gemeinsam weiter. Wir unterhielten uns und die Fahrt war so sehr entspannt, obwohl sich die Wege feiertagsbedingt langsam füllten. Auch eine gemeinsame Kuchenpause gönnten wir uns. Erst gegen Mittag, als es aufgrund der Menge der Gruppen auf den Wegen immer anstrengender wurde zu fahren und kaum möglich warm sich dabei auch noch zu unterhalten, trennten wir uns wieder auf, obwohl wir ein ähnliches Ziel für den Tag hatten.

Cochem, kurz vor meinem Ziel, war dann endgültig der Punkt, wo ich froh war, es nicht mehr weit zu haben. Die ständigen Ausweich- und Überholvorgänge hatten mich einige Körner gekostet und in Cochem musste ich dann durch große Menschenmengen bugsieren. Aber vier Kilometer weiter, in Klotten, hatte ich eine Unterkunft gefunden. Das ist nur noch ca 50 Kilometer vor Koblenz, so dass die Rückfahrt mit der Bahn am Samstag, dem ruhigen Tag des langen Wochenendes, gelingen sollte und mir trotzdem noch genügend Zeit bleibt, die Mosel bis zur Mündung zu fahren.

Die Abendroutine fand heute feiertagsbedingt ohne Einkauf statt, aber ich hoffe, am kommenden Morgen ein wenig Saft im Hotel zu bekommen.