Tag 15: Trier – Klotten

Die Fahrradgarage des Hotels war voll und hatte sich nach meiner Ankunft weiter gefüllt, aber ich spekulierte erfolgreich darauf, dass am langen Wochenende und dem 1. Mai die meisten eher nicht so früh los wollten. Nachdem ich mir für die Öffnung der Knopfzellenverpackung an der Rezeption eine Schere geliehen hatte, konnte ich meinen klagenden Sensor mit frischer Energie versorgen, dann fuhr ich um kurz nach acht Uhr los.

Auf der Bahnbrücke der Moselstrecke wechselte ich wieder auf die andere Seite des Flusses – allerdings windet sich der Radweg hier nicht nur durch ein Industriegebiet, sondern es gibt dazu noch eine baubedingte Umleitung, so dass es etwas dauerte, bis ich meinen Rhythmus fand. Meine erste Pinkelpause durfte ich bei der ASB-Ortsgruppe absolvieren, so dass ich in niemandes Garten pieseln musste.

Noch war es früh, die Spuren der Walpurgisnacht waren in Form von Klopapier und Bauschaum zu sehen, aber noch waren nicht so viele Menschen unterwegs. Der Radweg wird öfter mal als straßenbegleitender Radweg an einer großen Straße entlanggeführt, aber es gibt auch weiter Strecken, wo er am am Ufer oder anderweitig von der Straße abgesetzt läuft, oft mit Campingplätzen oder Grundstücken von Angel- oder Wassersportvereinen am Rand.

Irgendwann traf ich eine Bikepackerin aus Freiburg und nach zwei gegenseitigen Überholungen bei kurzen Stopps fuhren wir einfach gemeinsam weiter. Wir unterhielten uns und die Fahrt war so sehr entspannt, obwohl sich die Wege feiertagsbedingt langsam füllten. Auch eine gemeinsame Kuchenpause gönnten wir uns. Erst gegen Mittag, als es aufgrund der Menge der Gruppen auf den Wegen immer anstrengender wurde zu fahren und kaum möglich warm sich dabei auch noch zu unterhalten, trennten wir uns wieder auf, obwohl wir ein ähnliches Ziel für den Tag hatten.

Cochem, kurz vor meinem Ziel, war dann endgültig der Punkt, wo ich froh war, es nicht mehr weit zu haben. Die ständigen Ausweich- und Überholvorgänge hatten mich einige Körner gekostet und in Cochem musste ich dann durch große Menschenmengen bugsieren. Aber vier Kilometer weiter, in Klotten, hatte ich eine Unterkunft gefunden. Das ist nur noch ca 50 Kilometer vor Koblenz, so dass die Rückfahrt mit der Bahn am Samstag, dem ruhigen Tag des langen Wochenendes, gelingen sollte und mir trotzdem noch genügend Zeit bleibt, die Mosel bis zur Mündung zu fahren.

Die Abendroutine fand heute feiertagsbedingt ohne Einkauf statt, aber ich hoffe, am kommenden Morgen ein wenig Saft im Hotel zu bekommen.

Tag 14: Pont-à-Mousson – Trier

Nach dem Aufstehen fühlte ich mich relativ frisch und erholt, also packte ich meine Tasche und zog mich reisefertig an, bevor es zum Frühstück ging. Dort achtete ich auf meine Proteine und die Kohlenhydrate und natürlich auch auf jede Menge Flüssigkeit.

Vom Hotel musste ich nur kurz über die Brücke auf die andere Moselseite fahren, dann war ich auch gleich auf dem Radweg am Ufer der kanalisierten Mosel, die sich kurz nach nach dem Ort vom natürlichen Flusslauf trennt. So war der Weg bis Metz schnell, aber auch relativ ereignislos. Es ist schön zu fahren, aber vielerorts nicht sonderlich beeindruckend auf dem Weg zwischen Kanal und Mosel. Dafür gibt es Schatten – ein nicht zu unterschätzender Vorteil an diesen durchweg sonnigen Tagen.

Die Strecke durch Metz ist abgesehen von einer kleinen Baustellenumleitung gut zu fahren, man bekommt von der Stadt nicht viel mit, wenn man nicht explizit abbiegt. Hinaus geht es noch durch ein kleines Industriegebiet. Auf dem Weg traf ich kurz vor Thionville vier deutsche Bikepacker, die die Mosel gemeinsam von der Quelle zur Mündung befuhren. Nach einem kurzen Gespräch fuhr ich weiter nach Thionville, wo ich im Fahrradladen (vergeblich…) versuchte einen Ersatzschlauch zu bekommen.

Als ich gerade aus dem Laden kam, traf ich die vier wieder und schloss mich einer kleinen Essenspause an. Anschließend fuhren wir gemeinsam am Atomkraftwerk Cattenom vorbei bis Contz-les-Bains, wo ich die Flusseite wechselte, um durch Apach und Perl zu fahren, während die anderen die (schnellere) Departements-Straße nach Schengen bevorzugten – wo wir uns am Schengen-Denkmal dann trotzdem noch einmal kurz trafen.

Von dort fuhr ich allein weiter, vorwiegend auf der deutschen Seite in Richtung Trier. Erst in Konz wechselte ich noch einmal die Seite des Flusses, da ich in Trier zu Velopoint wollte wegen des Schlauches – diesmal erfolgreich! Der Laden führt auch Liegeräder, ich unterhielt mich noch eine Weile nett mit einem der Verkäufer, der auch auf der SPEZI gewesen war.

In Trier setzte ich mich kurz auf ein Getränk in ein Café in der Innenstadt und suchte mir eine Unterkunft, nahe am Radweg für einen guten Start am folgenden Tag. Nach dem Check-In und dem obligatorischen Duschen und Umziehen lief ich in die Innenstadt, besorgte Batterien für einen meiner Sensoren, Saft für den nächsten Tag und ging noch essen.

Tag 6: Escolives-Saint-Camille – Corbigny

Die Wirtin hatte ein nettes Frühstück bereitet und der das verletzte kleine Hündchen schlief im Nebenraum. Ich bekam noch etwas Sirup für die Trinkblase spendiert, dann ging es los, um der Nationalstraße zu entgehen über einen engen Trampelpfad zurück zum Rad an der Yonne.

Nach nur wenigen Kilometern war klar, was ich morgen nach dem Aufstehen schon geahnt hatte, das Problem, das mich seit einigen Tagen bremste und verfolgte war eine (leichte) Blasenentzündung. Ohne Fieber und Schmerzen zwar, aber doch mindestens störend, wenn man alle paar Kilometer plötzlich dringend einen Baum braucht.

Damit war nicht nur klar, dass der morgige Ruhetag unausweichlich war, es war auch klar: Der Tag würde keine 100 Kilometer oder mehr lang werden. Aus der Not machte ich einen Plan und nahm mir vor, so weit zu fahren, dass am Sonntag eine angenehme, nicht zu lange Etappe nach Nevers anstehen würde.

Die Fahrt an sich war problemlos. Der Weg zwar nicht immer perfekt ausgebaut, aber doch überall gut mit 28mm Reifen fahrbar. Am Fluss bzw. Kanal gab es außer ein paar kurzen Rampen an Schleusen oder Brücken, die keine Durchfahrt hatten, keine Steigungen. Die häufigen Zwangspausen bremsten die Fahrt dann aber doch.

Gegen Mittag gönnte ich mir einen Snack und ein Getränk in Clamecy und schaute, welche Möglichkeiten sich so boten. Die Auswahl an Orten, die eine gewisse Größe und damit Infrastruktur wie Supermarkt und Unterkunft bieten, ist an der Yonne bzw. Canal du Nivernais eher klein. Und so kam ich irgendwann auf Cobigny, etwa zwei Kilometer abseits des Radweges. Ohne Vorbuchung bog ich ab und steuerte ein als tauglich empfundenes Hotel im Ort an. Es gab Platz für mich und mein Fahrrad, der Preis war auch in Ordnung. Damit war mein Ruhetag geplant.

Als erstes duschte ich, wusch meine Fahrradkleidung nach 6 Tagen Fahrt aus, dann besorgte kleine Vorräte im örtlichen Aldi(!) und besuchte dann eines der beiden geöffneten französischen Restaurants, wo es ein gutes Essen zu einem fairen Preis gab.

Tag 2: Namur – Charleville-Mézières

Ich wachte früh auf und hatte nur mäßig geschlafen. Immerhin war ich so auch früh beim Frühstück, brauchte aber anschießend etwas Zeit, meine Dinge zu ordnen und zu packen, die ganze Routine ist noch nicht da. Und ich spürte meine Beine.

Das bestätigte sich auch beim Losfahren, ich hatte es am ersten Tag übertrieben und vor allem den Energiehaushalt vernachlässigt und das rächte sich nun. Beim Rollen durch die Stadt war es noch OK, als ich dann auf den Radweg an der Maas kam (Eurovelo 19), da war ich heilfroh, dass die Flussradweg-Etappe vorwiegend flach war.

Auf Tempo kam ich nicht und die 140 Kilometer bis Charleville hatte ich schnell abgeschrieben und mich darauf eingestellt, nach 30 oder 40 Kilometern einen netten Ort und eine Unterkunft zu suchen und einen (halben) Ruhetag einzuschieben. Doch es kam anders.

Neben den (meist älteren, männlichen) Rennradlern und den üblichen Flussradweg-E-Bike-Touristen tauchte vor mir eine Liegeradsilhouette auf. Ich schaffte es, den anderen Liegeradler einzuholen und es stellte sich heraus, dass dieser aus Österreich stammte und gerade auf einer Tour Nordkap-Gibraltar war. Das war natürlich neben der gemeinsamen Vorliebe für das liegende Radfahren interessanter Gesprächsstoff! Und so vergingen die Zeit und die Kilometer wie im Fluge und und meine Beine fühlten sich schlussendlich deutlich besser als am Morgen an.

Als Dieter dann in Richtung Paris abbog (bzw. dem kurzen Stück Bahnradweg weiter folgte und ich zur Maas zurückkehrte), hatte ich schon über 60km auf der Uhr und war guter Dinge, zumindest die 100km noch zu schaffen. Bei 75km – und damit zumindest etwas früher als am Vortag, da es aber flach war eigentlich viel früher – machte ich dann eine Pause mit Getränken und etwas herzhaftem und süßem Gebäck aus der Boulangerie. Anhand der Getränke – es gab Orangina und Schweppes Agrum, vor allem aber Größen jenseits 0,2 Liter) – merkte ich auch, dass ich mittlerweile die Grenze nach Frankreich überquert hatte.

Vor der Weiterfahrt half ich noch einem belgischen Pärchen auf einem Tandem aus, die keine Pumpe, aber sehr wenig Luft auf dem Reifen hatten. Und nach der Pause fühlte ich mich gut genug, um eine Etappe bis Charleville wieder in Betracht zu ziehen. 25km vor Charleville machte ich mit zwei Franzosen noch eine kurze Pause in einer geschlossenen Bar, die immerhin Sitzmöglichkeiten und Schatten bot und buchte mir dann ein Zimmerchen in Charleville. Danach ging es erst ganz gut, die letzten 15km waren dann aber doch nochmal anstrengend. Nichtsdestotrotz kam ich gut gelaunt an.

Ich gönnte mir ein Galette auf dem Marktplatz, machte einen kleinen Stadtrundgang und besorgte im Supermarkt noch Versorgung für den kommenden Tag, dann ging es totmüde ins Bett.

Tag 1: Aachen – Namur

Zum Frühstück beim Bäcker gab es als Begrüßung: „Eigentlich haben wir noch nicht offen! Sie können nur draußen sitzen, drinnen geht nicht wegen Versicherung und kostet Strafe!“ – also gab es herzhaftes und süßes Brötchen dann draußen bei 14°C, das war aber nicht so wild.

Anschließend folgte die Fahrt aus Aachen heraus auf weitgehend leeren Straßen, aber typisch für die Stadt mit ein paar kleinen Anstiegen. Der letzte Anstieg zum Dreiländereck Belgien-Niederlande-Deutschland hatte es mit knapp 15% dann aber in sich. Den „Drilandenpunt“, nahezu deckungsgleich mit dem höchsten Punkt der europäischen Niederlande (322m) hatte ich mir als „offiziellen“ Startpunkt ausgesucht.

Nach einer kurzen Abfahrt gab es dann erstmal einen Bahnradweg bis zum Erreichen der Maas in Liège/Lüttich. Dieser hatte ein paar kleine Steigungen und Gefälle bis zu etwas mehr als zwei Prozent, fuhr sich bis auf die unvermeidlichen Straßenkreuzungen recht angenehm. Dem Stadtgebiet entkommt man dann durch Industriegebiete, die auch in diesem Bereich das Bild des Flusses prägen.

Zwar gab es am Fluss hin und wieder Sitzbänke als Pausengelegenheiten, diese boten allerdings keinen Wetterschutz – und Schatten war bei fast 30°C beim Anhalten unverzichtbar. So genoss ich am Marktplatz von Huy ein Mittag und noch ein Eis, bevor ich mich auf den Rest des Weges machte, als heutiges Ziel hatte ich Jambes / Namur auserkoren. Die Hotels waren bezahlbar, die Infrastruktur gut. Das waren ab Huy noch etwa 30 Kilometer, die mir allerdings nach dem viel zu späten Essen doch recht schwer fielen.

In Namur hatte ich ein Hotel in Bahnhofsnähe. Nach dem Duschen besorgte ich Saft und Riegel für den kommenden Tag im geöffneten Supermarkt im Bahnhof (Infrastruktur!), dann machte ich einen Spaziergang durch die Stadt. Obwohl ich wenig Appetit hatte aß ich noch eine Kleinigkeit und regulierte auch den Flüssigkeitshaushalt, damit der folgende Tag nicht zum Zwangsruhetag wird.