Tag 12: Haguenau – Worms

Ich ließ den Morgen entspannt angehen, ging „in zivil“ zum Frühstück. Etwas Saft konnte ich mir dort schnorren, da ich ja am Abend nicht mehr zum Einkaufen raus gegangen war.

Um kurz nach neun checkte ich aus. Das Wetter sah gut aus, nicht ganz so blauer Himmel, wie in den letzten Tagen, aber die Sonne wagte sich durch. Die Windrichtung hatte auf südliche Richtungen gedreht, so dass ich den Wind den größten Teil meiner Fahrt im Rücken haben würde. Für den Nachmittag war eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Regen vorhergesagt, aber ein Blick auf die Daten und das Radar verriet, dass es wohl nur ein paar Schauer geben könnte. Ein festes Ziel für heute hatte ich mir nach der langen Etappe nicht gesetzt. Ob ich jetzt bis Wörth, Germersheim oder weiter kam, es spielte keine große Rolle.

Nachdem ich Haguenau verlassen hatte, führte mich die Route zunächst durch Wälder, auf ruhigen Wegen, schattig und und schön. Viele Menschen waren dort unterwegs, aber es war nicht voll. Nach dem Wald folgten ein paar ruhige Landstraßen, dann ein Bahntrassenradweg und dann war ich auch schon fast am Rhein.

Die Wege dort kannte ich von vielen Touren, meist in die andere Richtung, bereits. Kurz nach Erreichen des Rheins war dann auch die Grenze zu Deutschland erreicht. Auf den ersten paar Kilometern bis Wörth am Rhein merkt man dies kaum, aber spätestens bei der Durchquerung von Wörth ist man wieder voll in Deutschland angekommen. Die Radinfrastruktur, selbst entlang prominenter Wege ist um Längen schlechter, richtet sich fühlbar daran aus, dass Radfahrende möglichst den motorisierten Verkehr nicht stören. Für den Radfahrenden bedeutet die Wegeführung, an den Rand von großen Straßen gedrängt oder durch Wohngebiete zu fahren, mit vielen unübersichtlichen Stellen oder rechts-vor-links-Kreuzungen – der Flow geht verloren.

Zwar sind die Wege auf dem Rheindeich dann wieder gut und störungsfrei fahrbar, aber auch hier merkt man, dass Fahrräder nur Nebennutzer sind: der Asphalt ist rauh, kostet mehr Kraft. Diese Dinge sind massiv auffällig nach hunderten Kilometern Tour durch Frankreich. Auch dort gibt es natürlich die ein oder andere nicht so gelungene Infrastruktur, auch dort werden Radrouten mal auf Landstraßen geführt – aber im Großen und Ganzen geht es dort deutlich besser, viele der großen Radrouten sind auf die Bedürfnisse der Radfahrenden abgestimmt und ordnen sich nicht dem motorisierten Individualverkehr unter.

Hinter Germersheim hatte ich zur Umgehung von Speyer und Ludwigshafen diesmal durch Mutterstadt und Schifferstadt und über Landstraßen bzw. Lndwirtschaftswege, oft parallel zu den Landstraßen geroutet. Das war im wesentlichen OK, aber auch nicht wirklich schön. Mit Oggersheim und Frankenthal kam ich dem Moloch Ludwigshafen aber schon wieder viel zu nah, diesen Teil der Route muss ich dringend umstricken und weiter nach Westen verlegen.

Da ein paar kleine Regenschauer um und über mich zogen, überlegte ich, bis wohin ich fahren sollte, entschied mich letztlich erst einmal bis Worms zu fahren und dann zu schauen, ob die Fähre Gernsheim trotz Niedrigwassers verkehrt, wo die Regenbänder ziehen und wo ich eine Unterkunft finden würde. Da ich beim Nachschauen zwar feststellte, dass es in Gernsheim Hotels gab und die Fähre fährt, aber von Regentropfen gestört wurde – und ohnehin schon knapp 150km auf der Uhr hatte – entschied ich, einfach in Worms zu bleiben.

Ich nahm dort ein Hotel nahe des Doms, suchte mir abends noch ein offenes Restaurant (viele hatten hier sonntags früh oder komplett zu) und beendete dan Tag gewohnt früh, indem ich beim Blog schreiben die Beine hochlegte.

Tag 11: Nancy – Haguenau

Beim Frühstück achtete ich darauf, eine ordentliche Mischung an Energie aufzunehmen, denn heute stand ein langer Tag mit wenigen Versorgungsmöglichkeiten an.

Nach dem Frühstück checkte ich aus und fuhr runter zum Kanal, von dort zum Startpunkt meines Tracks. Der Radweg ist wunderbar ausgebaut und ich kam sehr gut voran. Hinter Nancy gibt es noch ein paar Industriebetriebe, später dann wird es ländlicher.

Ab und zu gibt es Schleusen, hier geht es jedesmal ein Stückchen hoch, der Kanal hebt sich langsam auch über die Höhe des umgebenden Landes, wenn auch nicht viel. Auch landschaftlich passiert zunächst nicht viel – bis ich zur Grande Ecluse Rechicourt, der großen Schleuse von Rechicourt mit ihren 15,40m Metern Hub kommt.

Ab dort wird es abwechslungsreicher, der Radweg führt zwischen Becken hindurch, links und rechts wird es auch mal steiler. So geht es zunächst bis Gondrexange, dann folgt der Abschnitt zur Abzweigung Sarrebourg. Auf diesem Stück sammle ich einen Rennradler aus Nancy auf, der mich nach dem Weg nach Nancy fragt, bis zum Abzweig ziehe ich ihn mit, dann zeige ich ihm auf der Karte, wie er in den Ort kommt.

Kurz danach kommt die Wasserscheide, wo der Kanal im Tunnel durch den Berg geht, müssen Radfahrer auf dem einzigen kleinen Anstieg der Tour oben drüber. Erst hinter Arzviller treffe ich wieder auf den Kanal bzw. vor allem erst einmal auf den Lost Place, die alte Kanalführung mit einer Schleusentreppe, die heute trocken liegt und deren alte Anlagen langsam verrosten.

Beim kleinen Ort Hofmühl trifft der neue Kanal wieder auf den alten und ab hier ist einfach schönes Fahren mit leichtem Gefälle (an den Schleusen) angesagt. Lutzelbourg und Saverne durchquere ich im Eilgang, längst habe ich beschlossen, bis Haguenau durchzufahren und mir dort ein Hotel gesucht.

Hinter Saverne wird die Landschaft fast schlagartig flacher, kleine Steigungen bringt mir erst das Abbiegen vom Kanal nahe Brumath. Bis Haguenau führt der Weg auf dem Seitenstreifen einer Landstraße entlang.

In Haguenau liegt mein Hotel nahe am Track. Nach dem Checkin suche ich Spa und Sauna auf, denn ich bin mit einem 26er Schnitt die knapp 150km gefahren, hatte zwischendurch nur eine Pause mit einem kleinen Snack. Nach der Sauna freue ich mich auf ein schönes Abendessen, dann geht es zügig ins Bett, denn die Etappe war auch ganz schön anstrengend.

Tag 10: Ruhetag Nancy

Der Tag startete halbwegs früh, denn ich wollte noch mit Timo frühstücken, bevor er in die Bahn stieg und den Heimweg antrat. Wir unterhielten uns noch kurz, dann ging es für Timo los, ich meinerseits aß noch in Ruhe auf und ging dann erst einmal zurück aufs Zimmer.

Wäsche waschen war angesagt, denn das Zimmer roch beim Betreten schon noch einer Woche auf Tour. Anschließend kümmerte ich mich am Tablet noch um ein paar Kleinigkeiten (Gruß an die Kolleg:innen!), dann machte ich mich erst einmal auf zum kleinen Einkauf. Saft und Riegel als Nachschub bzw. Vorbereitung auf die kommende Etappe mit wenig Verpflegungsmöglichkeiten am Weg. Auf dem Rückweg erkundete ich andere Ecken der Stadt und setze mich in ein Café.

Mittags machte ich ein kleines Nickerchen im Hotel, schaute ein wenig Youtube Videos, entspannte mich. Dann ging es zur nächsten Runde Stadtbesichtigung mit Kathedrale und Park, wo ich ein Ei aß. Außerdem besorgte ich noch ein neues Flickset, das hatte ich länger schon vor – und heute hatte ich ja Zeit.

Nach einem weiteren kurzen Abstecher ins Hotel, wo ich den kleinen Einkauf verstaute, Batterien von Sensoren am Rad wechselte und meinen Flüssigkeitshaushalt ins Gleichgewicht brachte, machte ich abends zum Essen den letzten Gang in die Stadt, es gab Galette und Crepes.

Tag 9: Verdun – Nancy

Ich bekam das Frühstück in meiner kleinen Pension aufs Zimmer, ein typisch französisches Frühstück mit Baguette, Pain au Chocolat, etwas Butter, etwas Marmelade – dazu einen schwarzen Tee und etwas Orangensaft. Timo genoss in seinem Hotel ein deutlich opulenteres Buffet. Anschließend holte er mich an meiner Unterkunft ab, die nahe des Tracks am Rande von Verdun lag.

Nach einer Fahrt über relativ verkehrsarme Landstraßen kam ein Abschnitt auf einem Bahntrassenradweg, ein entspanntes Zwischenspiel, bevor es wieder auf die Landstraße ging. Die Versorgung war in den kleinen Orten in Frankreich ist meist nicht gegeben, so machten wir zum Auffüllen der Vorräte einen kurzen Abstecher in Richtung eines Supermarktes.

Kurz vor Commercy hatten wir auf einer Landstraße bzw. kleinen Wirtschaftswegen noch ein paar Steigungen zu überwinden, dann konnten wir auf einem sehr schönen Kanalweg bis zur Stadt fahren. Auf dem zentralen Platz setzten wir uns in ein Restaurant und aßen gemütlich zu Mittag.

Nicht weit hinter Commercy bogen unterquerten wir eine Kanalbrücke unter dem Rhein-Marne-Kanal, allerdings konnten wir ihm hier noch nicht folgen. Kurz danach sagten wir der Maas auf Wiedersehen, bevor wir Richtung Osten abbogen. Hinter dem Kanaltunnel zwischen Lay-Saint-Remy und Foug kamen wir dann wieder auf einen gut ausgebauten Radweg entlang des Kanals, dem wir bis Toul folgten. In der kleinen Festungsstadt machten wir einen Halt und aßen ein Eis.

Ab Toul gibt es zwei Routen in Richtung Nancy, wir entschieden uns für die südliche. Nach ein paar ruhigen Straßen führt der Weg entlang der kanalisierten Mosel und ist häufig an beiden Seiten von Bäumen und Wasser gesäumt, so dass es angenehm zu fahren ist, weil es Schatten gibt und die Bäume ein gleichmäßig kühles Klima schaffen.

Hinter Messein biegt der Verbindungskanal ab, man folgt dem Gewässer gewissermaßen über den Berg und gelangt so an den nächsten Abschnitt des Rhein-Marne-Kanals, der auch Nancy durchquert. Am Kanal entlang kann man bis wenige hundert Meter ans Zentrum und den wunderschönen Platz Stanislas heranfahren. Nach einem Ankunftsfoto auf dem Platz und einem kurzen Besuch im angrenzenden Parc de la Pépinière checkten wir im Hotel ein.

Zum Abschluss gab es noch ein schönes Abendessen mit einem Gläschen Wein. Timo macht sich am Freitag auf den Heimweg, ich werde einen Ruhetag in Nancy einlegen.

Tag 8: Charleville-Mézières – Verdun

Da Timo und ich in unterschiedlichen Hotels untergekommen waren, trafen wir uns morgens in der Boulangerie zum Frühstück. Nach einem Croque Messieur und einem Brioche Chocolat machten wir uns auf den Weg.

Nach einer kurzen Fahrt durch die Stadt trafen wir auf unseren Track, den Radweg entlang der Maas (Meuse), der hier wir üblich hervorragend ausgebaut war. Es war zwar morgens noch kühl, aber beim Fahren nicht unangenehm, das Wetter war weitaus freundlicher und sonniger als es die Vorhersage hatte vermuten lassen.

Bis zum Abzweig des Ardennen-Kanals kurz vor Sedan kannte ich den Weg ja bereits aus dem letzten Jahr und er fuhr sich – zumal ohne oder mit leichtem Rückenwind – einfach herrlich. Auch danach gab es noch einige Kilometer entlang des Flusses auf gut ausgebauten Wegen, doch hinter Sedan bei Remilly-Aillicourt ging es dann auf die Straße. Zwar waren die Straßen nicht sonderlich voll, doch gerade im Vergleich zum perfekten Radweg davor war es eben doch nicht mehr so schön.

Die Landschaft ist hier nicht mehr so schroff, das Tal nicht mehr so eng wie am gestrigen Tag, dafür führen die Straßen auch über die sanften Hügel in einem ständigen leichten Auf und Ab. In Beaumont-en-Argonne verlassen wir die offizielle Route des EV19 spontan und folgen einfach der D30: die offzielle Route führt letztlich auch nur über Straßen und macht hier gut 10 Kilometer Umweg. Wir aber hatten es auf ein Mittag abgesehen und beschlossen, hier lieber durchzuziehen und einen Abstecher nach Stenay zu machen.

Dort fanden wir erst eine Bar zum Auffüllen des Getränkevorrats und dann eine Boulangerie für einen Mittagssnack. Auf dem zentralen Platz machten wir es uns auf einer Bank bequem und genossen unser Mittagessen.

Bis kurz vor Verdun folgten wir weiter der D30, die hier weitenteils auch die offizielle Routenführung für den EV19 ist, dann bogen wir in Bras-sur-Meuse auf einen Kanalradweg entlang der kanalisierten Maas ab, dem wir bis ins Zentrum von Verdun folgen konnten. Auf dem Weg kamen wir an Soldatenfriedhöfen und Resten von Befestigungsanlagen und Bunkern vorbei.

Timo hatte zentral ein Hotel, ich eines mehr am Stadtrand, so dass wir uns trennten und erst nach dem Frischmachen für einen kleinen Einkauf und ein Abendessen wieder zusammenkamen. Beide hatten wir aber heute das Bedürfnis nach einen frühen Feierabend, so dass wir danach relativ direkt in unsere Unterkünfte zurück liefen.