Tag 14: Gelnhausen – Fulda (- Berlin)

Meine Gerätesammelsurium bescheinigte mir einen guten Schlaf und gute Vitalwerte: „Du bist fit“. Ich ließ es dennoch ruhig angehen mit dem Frühstück und machte mich erst danach fahrfertig.

Der Weg durchs Kinzigtal ist weitgehend gut zu fahren, auch wenn der Weg zwischen Bahnstrecke und Autobahn gern mal etwas im Zickzack geht. Trotzdem sind auch die Ortsdurchfahrten gut zu meistern, den meisten Autoverkehr schlucken die parallel laufende Autobahn und teilweise Bundesstraße, mit der man nur peripher in Verbindung kommt.

Eigentlich freute ich mich auf eine kurze Pause an der Kinzigtalsperre, doch dort waren diesmal Ausbesserungsarbeiten im Gange, so dass ich nicht auf dem Damm kam, außerdem war natürlich auch diese Talsperre – wie so viele am Ende dieses trockenen Sommers – leer. So fuhr ich weiter, freut mich am pittoresken Örtchen Steinau an der Straße und machte erst in Schlüchtern in einem Bäckerei-Café eine Pause. Hinter Schlüchtern wird es hügelig, direkt hinter dem Ort beginnt ein kleiner Anstieg.

Je weiter ich in Richtung Fulda kam, desto mehr machte ich mir Gedanken, wie ich weiter machen sollte. Meine Beine fühlten sich nicht so fit an, wie mein Körper, aber eigentlich ging es gut voran. Ich beschloss in Fulda eine Pause zu machen und planen. Innerlich hatte ich aber auch schon getreu dem Motto ChillOut mit dem Gedanken gespielt, die Tour in Fulda zu beenden.

Bei einem Eiskaffee wägte ich ab. Von Fulda bis Erfurt sind es fast 150km, dazwischen sind wenige Möglichkeiten auszusteigen. Und es geht erst den Milseburgradweg hinauf, dann über das Grüne Band und am Ende noch über die neue Ausspanne. Die sinnvolle Möglichkeit wäre gewesen, noch bis Hilders zu fahren ,also den Milseburgradweg hinauf – etwa 30 bis 40 Kilometer – und dort eine Unterkunft zu suchen, dann am nächsten Tag über die beiden größeren Anstiege bis Erfurt. Allerdings zeigte die Wettervorhersage für den Mittwoch eine Regenfront, die über’s Land ziehen sollte und die kommenden Tage waren kühler und grau. Vor diesen Hintergrund entschied ich letztlich, die Tour beim Eiskaffee, blauem Himmel und unter einer Palme enden zu lassen und spontan mit dem nächsten ICE nach Berlin zu fahren.

Tag 13: Worms – Gelnhausen

Nach dem Frühstück machte ich mich auf. Zunächst hieß es, aus Worms herauszukommen. Befahrene Straßen, mäßige Radwege, Industriegebiet, Umleitung – Spaß machte der Start nicht gerade. Erst einige Kilometer vor der Fähre Gernsheim gab es einen ruhigen Abschnitt auf dem Deich.

An der Fähre, die trotz des anhaltenden Niedrigwassers noch in Betrieb ist, musste ich 20 Minuten warten, eine willkommene Pause. Nach dem Übersetzen fuhr ich ab Gernsheim zunächst entlang der Straßen, das war aber vom Verkehrsaufkommen und den Wegen durchaus OK. Hinter Groß-Gerau durchquerte ich den Wald auf einem nicht asphaltierten Weg, diesen kannte ich bereits von früheren Fahrten und wusste, dass er dennoch gut fahrbar ist.

Eine kleine Pause legte ich am Spotterpunkt Startbahn West ein, wo ich einigen Flugzeugen beim Start zuschaute, dann ging es am Flughafen vorbei sofort ins nächste Baustellen-Chaos mit Umleitungen über teils matschige Grünflächen, die OSM nicht einmal als Weg kannte. Bei einer gewählten Asphalt-Route möchte man so etwas einfach nicht haben – aber als Raadfahrer kann ja schon froh sein, wenn überhaupt noch ein Weg existiert.

Bei einer Pause am Main fing es kurz an zu regnen, obwohl auf dem Radar nichts zu sehen war. Da ich gerade fertig war mit meinem Getränk flüchtete ich in eine nahe Bushaltestelle und wartete den kurzen Schauer ab. Dann kam die nächste Umleitung, zum Glück nur über einen gepflasterten Zweirichtungsradweg neben einer Straße, bis es wieder ans Main-Ufer ging.

Bis Hanau war der Weg am Main, auch durch Frankfurt, dann relativ angenehm zu fahren. Hanau und seine Industriegebiete waren nochmal etwas nervig, dann war ich auch schon im Kinzigtal. Ich entschied aufgrund der kräftezehrenden Wegeführung heute dann nur bis Gelnhausen zu fahren, wo ich ein niedliches Hotel fand.

Gelnhausen selbst überraschte mich positiv, beim Durchfahren im Frühjahr hatte ich wenig von der Stadt wahrgenommen, beim abendlichen Spaziergang entdeckte ich viel Barbarossa und Fachwerkhäuser.

Tag 12: Haguenau – Worms

Ich ließ den Morgen entspannt angehen, ging „in zivil“ zum Frühstück. Etwas Saft konnte ich mir dort schnorren, da ich ja am Abend nicht mehr zum Einkaufen raus gegangen war.

Um kurz nach neun checkte ich aus. Das Wetter sah gut aus, nicht ganz so blauer Himmel, wie in den letzten Tagen, aber die Sonne wagte sich durch. Die Windrichtung hatte auf südliche Richtungen gedreht, so dass ich den Wind den größten Teil meiner Fahrt im Rücken haben würde. Für den Nachmittag war eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Regen vorhergesagt, aber ein Blick auf die Daten und das Radar verriet, dass es wohl nur ein paar Schauer geben könnte. Ein festes Ziel für heute hatte ich mir nach der langen Etappe nicht gesetzt. Ob ich jetzt bis Wörth, Germersheim oder weiter kam, es spielte keine große Rolle.

Nachdem ich Haguenau verlassen hatte, führte mich die Route zunächst durch Wälder, auf ruhigen Wegen, schattig und und schön. Viele Menschen waren dort unterwegs, aber es war nicht voll. Nach dem Wald folgten ein paar ruhige Landstraßen, dann ein Bahntrassenradweg und dann war ich auch schon fast am Rhein.

Die Wege dort kannte ich von vielen Touren, meist in die andere Richtung, bereits. Kurz nach Erreichen des Rheins war dann auch die Grenze zu Deutschland erreicht. Auf den ersten paar Kilometern bis Wörth am Rhein merkt man dies kaum, aber spätestens bei der Durchquerung von Wörth ist man wieder voll in Deutschland angekommen. Die Radinfrastruktur, selbst entlang prominenter Wege ist um Längen schlechter, richtet sich fühlbar daran aus, dass Radfahrende möglichst den motorisierten Verkehr nicht stören. Für den Radfahrenden bedeutet die Wegeführung, an den Rand von großen Straßen gedrängt oder durch Wohngebiete zu fahren, mit vielen unübersichtlichen Stellen oder rechts-vor-links-Kreuzungen – der Flow geht verloren.

Zwar sind die Wege auf dem Rheindeich dann wieder gut und störungsfrei fahrbar, aber auch hier merkt man, dass Fahrräder nur Nebennutzer sind: der Asphalt ist rauh, kostet mehr Kraft. Diese Dinge sind massiv auffällig nach hunderten Kilometern Tour durch Frankreich. Auch dort gibt es natürlich die ein oder andere nicht so gelungene Infrastruktur, auch dort werden Radrouten mal auf Landstraßen geführt – aber im Großen und Ganzen geht es dort deutlich besser, viele der großen Radrouten sind auf die Bedürfnisse der Radfahrenden abgestimmt und ordnen sich nicht dem motorisierten Individualverkehr unter.

Hinter Germersheim hatte ich zur Umgehung von Speyer und Ludwigshafen diesmal durch Mutterstadt und Schifferstadt und über Landstraßen bzw. Lndwirtschaftswege, oft parallel zu den Landstraßen geroutet. Das war im wesentlichen OK, aber auch nicht wirklich schön. Mit Oggersheim und Frankenthal kam ich dem Moloch Ludwigshafen aber schon wieder viel zu nah, diesen Teil der Route muss ich dringend umstricken und weiter nach Westen verlegen.

Da ein paar kleine Regenschauer um und über mich zogen, überlegte ich, bis wohin ich fahren sollte, entschied mich letztlich erst einmal bis Worms zu fahren und dann zu schauen, ob die Fähre Gernsheim trotz Niedrigwassers verkehrt, wo die Regenbänder ziehen und wo ich eine Unterkunft finden würde. Da ich beim Nachschauen zwar feststellte, dass es in Gernsheim Hotels gab und die Fähre fährt, aber von Regentropfen gestört wurde – und ohnehin schon knapp 150km auf der Uhr hatte – entschied ich, einfach in Worms zu bleiben.

Ich nahm dort ein Hotel nahe des Doms, suchte mir abends noch ein offenes Restaurant (viele hatten hier sonntags früh oder komplett zu) und beendete dan Tag gewohnt früh, indem ich beim Blog schreiben die Beine hochlegte.

Tag 11: Nancy – Haguenau

Beim Frühstück achtete ich darauf, eine ordentliche Mischung an Energie aufzunehmen, denn heute stand ein langer Tag mit wenigen Versorgungsmöglichkeiten an.

Nach dem Frühstück checkte ich aus und fuhr runter zum Kanal, von dort zum Startpunkt meines Tracks. Der Radweg ist wunderbar ausgebaut und ich kam sehr gut voran. Hinter Nancy gibt es noch ein paar Industriebetriebe, später dann wird es ländlicher.

Ab und zu gibt es Schleusen, hier geht es jedesmal ein Stückchen hoch, der Kanal hebt sich langsam auch über die Höhe des umgebenden Landes, wenn auch nicht viel. Auch landschaftlich passiert zunächst nicht viel – bis ich zur Grande Ecluse Rechicourt, der großen Schleuse von Rechicourt mit ihren 15,40m Metern Hub kommt.

Ab dort wird es abwechslungsreicher, der Radweg führt zwischen Becken hindurch, links und rechts wird es auch mal steiler. So geht es zunächst bis Gondrexange, dann folgt der Abschnitt zur Abzweigung Sarrebourg. Auf diesem Stück sammle ich einen Rennradler aus Nancy auf, der mich nach dem Weg nach Nancy fragt, bis zum Abzweig ziehe ich ihn mit, dann zeige ich ihm auf der Karte, wie er in den Ort kommt.

Kurz danach kommt die Wasserscheide, wo der Kanal im Tunnel durch den Berg geht, müssen Radfahrer auf dem einzigen kleinen Anstieg der Tour oben drüber. Erst hinter Arzviller treffe ich wieder auf den Kanal bzw. vor allem erst einmal auf den Lost Place, die alte Kanalführung mit einer Schleusentreppe, die heute trocken liegt und deren alte Anlagen langsam verrosten.

Beim kleinen Ort Hofmühl trifft der neue Kanal wieder auf den alten und ab hier ist einfach schönes Fahren mit leichtem Gefälle (an den Schleusen) angesagt. Lutzelbourg und Saverne durchquere ich im Eilgang, längst habe ich beschlossen, bis Haguenau durchzufahren und mir dort ein Hotel gesucht.

Hinter Saverne wird die Landschaft fast schlagartig flacher, kleine Steigungen bringt mir erst das Abbiegen vom Kanal nahe Brumath. Bis Haguenau führt der Weg auf dem Seitenstreifen einer Landstraße entlang.

In Haguenau liegt mein Hotel nahe am Track. Nach dem Checkin suche ich Spa und Sauna auf, denn ich bin mit einem 26er Schnitt die knapp 150km gefahren, hatte zwischendurch nur eine Pause mit einem kleinen Snack. Nach der Sauna freue ich mich auf ein schönes Abendessen, dann geht es zügig ins Bett, denn die Etappe war auch ganz schön anstrengend.

Tag 8: Charleville-Mézières – Verdun

Da Timo und ich in unterschiedlichen Hotels untergekommen waren, trafen wir uns morgens in der Boulangerie zum Frühstück. Nach einem Croque Messieur und einem Brioche Chocolat machten wir uns auf den Weg.

Nach einer kurzen Fahrt durch die Stadt trafen wir auf unseren Track, den Radweg entlang der Maas (Meuse), der hier wir üblich hervorragend ausgebaut war. Es war zwar morgens noch kühl, aber beim Fahren nicht unangenehm, das Wetter war weitaus freundlicher und sonniger als es die Vorhersage hatte vermuten lassen.

Bis zum Abzweig des Ardennen-Kanals kurz vor Sedan kannte ich den Weg ja bereits aus dem letzten Jahr und er fuhr sich – zumal ohne oder mit leichtem Rückenwind – einfach herrlich. Auch danach gab es noch einige Kilometer entlang des Flusses auf gut ausgebauten Wegen, doch hinter Sedan bei Remilly-Aillicourt ging es dann auf die Straße. Zwar waren die Straßen nicht sonderlich voll, doch gerade im Vergleich zum perfekten Radweg davor war es eben doch nicht mehr so schön.

Die Landschaft ist hier nicht mehr so schroff, das Tal nicht mehr so eng wie am gestrigen Tag, dafür führen die Straßen auch über die sanften Hügel in einem ständigen leichten Auf und Ab. In Beaumont-en-Argonne verlassen wir die offizielle Route des EV19 spontan und folgen einfach der D30: die offzielle Route führt letztlich auch nur über Straßen und macht hier gut 10 Kilometer Umweg. Wir aber hatten es auf ein Mittag abgesehen und beschlossen, hier lieber durchzuziehen und einen Abstecher nach Stenay zu machen.

Dort fanden wir erst eine Bar zum Auffüllen des Getränkevorrats und dann eine Boulangerie für einen Mittagssnack. Auf dem zentralen Platz machten wir es uns auf einer Bank bequem und genossen unser Mittagessen.

Bis kurz vor Verdun folgten wir weiter der D30, die hier weitenteils auch die offizielle Routenführung für den EV19 ist, dann bogen wir in Bras-sur-Meuse auf einen Kanalradweg entlang der kanalisierten Maas ab, dem wir bis ins Zentrum von Verdun folgen konnten. Auf dem Weg kamen wir an Soldatenfriedhöfen und Resten von Befestigungsanlagen und Bunkern vorbei.

Timo hatte zentral ein Hotel, ich eines mehr am Stadtrand, so dass wir uns trennten und erst nach dem Frischmachen für einen kleinen Einkauf und ein Abendessen wieder zusammenkamen. Beide hatten wir aber heute das Bedürfnis nach einen frühen Feierabend, so dass wir danach relativ direkt in unsere Unterkünfte zurück liefen.