Tag 9: Verdun – Nancy

Ich bekam das Frühstück in meiner kleinen Pension aufs Zimmer, ein typisch französisches Frühstück mit Baguette, Pain au Chocolat, etwas Butter, etwas Marmelade – dazu einen schwarzen Tee und etwas Orangensaft. Timo genoss in seinem Hotel ein deutlich opulenteres Buffet. Anschließend holte er mich an meiner Unterkunft ab, die nahe des Tracks am Rande von Verdun lag.

Nach einer Fahrt über relativ verkehrsarme Landstraßen kam ein Abschnitt auf einem Bahntrassenradweg, ein entspanntes Zwischenspiel, bevor es wieder auf die Landstraße ging. Die Versorgung war in den kleinen Orten in Frankreich ist meist nicht gegeben, so machten wir zum Auffüllen der Vorräte einen kurzen Abstecher in Richtung eines Supermarktes.

Kurz vor Commercy hatten wir auf einer Landstraße bzw. kleinen Wirtschaftswegen noch ein paar Steigungen zu überwinden, dann konnten wir auf einem sehr schönen Kanalweg bis zur Stadt fahren. Auf dem zentralen Platz setzten wir uns in ein Restaurant und aßen gemütlich zu Mittag.

Nicht weit hinter Commercy bogen unterquerten wir eine Kanalbrücke unter dem Rhein-Marne-Kanal, allerdings konnten wir ihm hier noch nicht folgen. Kurz danach sagten wir der Maas auf Wiedersehen, bevor wir Richtung Osten abbogen. Hinter dem Kanaltunnel zwischen Lay-Saint-Remy und Foug kamen wir dann wieder auf einen gut ausgebauten Radweg entlang des Kanals, dem wir bis Toul folgten. In der kleinen Festungsstadt machten wir einen Halt und aßen ein Eis.

Ab Toul gibt es zwei Routen in Richtung Nancy, wir entschieden uns für die südliche. Nach ein paar ruhigen Straßen führt der Weg entlang der kanalisierten Mosel und ist häufig an beiden Seiten von Bäumen und Wasser gesäumt, so dass es angenehm zu fahren ist, weil es Schatten gibt und die Bäume ein gleichmäßig kühles Klima schaffen.

Hinter Messein biegt der Verbindungskanal ab, man folgt dem Gewässer gewissermaßen über den Berg und gelangt so an den nächsten Abschnitt des Rhein-Marne-Kanals, der auch Nancy durchquert. Am Kanal entlang kann man bis wenige hundert Meter ans Zentrum und den wunderschönen Platz Stanislas heranfahren. Nach einem Ankunftsfoto auf dem Platz und einem kurzen Besuch im angrenzenden Parc de la Pépinière checkten wir im Hotel ein.

Zum Abschluss gab es noch ein schönes Abendessen mit einem Gläschen Wein. Timo macht sich am Freitag auf den Heimweg, ich werde einen Ruhetag in Nancy einlegen.

Tag 7: Namur – Charleville-Mézières

Den Tag starteten wir wieder gegen 8 Uhr, diesmal mit einem Frühstück im Hotel. Die heutige Etappe würde mit ca. 140km relativ lang werden, zwar flach, allerdings hatte der weiter kräftige Wind auf südliche Richtung gedreht, würde uns also wieder voll von vorn erwischen.

Nachts hatte es geregnet, aber als wir am Morgen losfuhren, war das Wetter angenehm. Nach einem kurzen Einkauf rollten wir durch die Stadt runter zur Maas, dann ging es auf dem Uferweg entlang. Das Tal wird hier bedeutend enger, die Maas ist nicht mehr so industrialisiert und kanalisiert, dadurch ändert sich der Charakter vollkommen. Niedliche Orte und tolle Felsstrukturen prägen das Tal, immer wieder sind kleine Schlösser oder Landsitze am Ufer oder in den Hängen, die sich im ruhigen Wasser spiegeln.

Bis Dinant geht es vorwiegend am Ufer entlang auf einem Radweg, dann folgen einige Kilometer auf einer ruhigen Landstraße und irgendwann führt uns die Route auf einen Bahnradweg, der sanft ansteigt, bis es dann in kurzer Abfahrt nach Givet und damit über die französische Grenze geht.

Kaum haben wir den Ort hinter uns gelassen zeigt Frankreich, wie EuroVelo Radwege gehen: Bester Belag, gut ausgebaut, alle paar Kilometer gibt es Pausengelegenheiten mit Sitzmöglichkeiten, teils auch Tischen, Fahrradbügeln etc. Auch typisch Frankreich: zuerst mal führt der Weg direkt an einem Kernkraftwerk vorbei.

Ab hier fängt der Fluss auch an, zu mändern. Ist ein Ort Luftlinie noch 10 Kilometer entfernt, sind es oft problemlos 20 Kilometer Wegstrecke zu fahren. Da aber mittlerweile starker Wind aus südlicher Richtung bläst, geben die Flussbiegungen zumindest ab und zu eine Pause vom Gegenwind, sei es, weil wir auf der Leeseite der Berge fahren, sei es, weil der Weg in ganz andere Himmelsrichtungen führen.

In einem der kleinen Orte machen wir Mittagspause in einer Boulangerie, anschließend zieht sich der Weg aufgrund des Windes aber noch ziemlich. Dennoch entscheiden wir, bis Charleville-Mézières durchzuziehen und buchen uns dort Hotelzimmer. Zum Ende, nach einem kleinen Durchhänger, ist die Fahrt aber wieder angenehm.

Am Ziel angekommen machen wir uns frisch, dann laufen wir durch die Stadt und essen zu abend. Nicht allzu spät sind wir in unseren Betten. Morgen wartet ein weiterer spannender Tag.